Pensées: Ein Ausflug zur Kölnbreinsperre

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  1. Während wir essen, dämmert es. Durch das reichhaltige Essen sind die Kinder wieder gestärkt und wollen unbedingt auf die Staumauer gehen.
  2. Es ist schön, bei Sonnenuntergang auf der Staumauer zu sein, zuzusehen, wie der See und der Himmel dunkelblau werden. Die Kinder machen ein Wettrennen, als hätten sie den ganzen Tag geruht.
  3. Anfangs sind sie sich nicht ganz sicher, ob sie sich wirklich bis ans andere Ende der Mauer trauen.
  4. Ich komme mit und gehe sogar auf die Aussichtsplattform. Im Dunkeln ist es nicht so schlimm, durch das Gitter in die Tiefe zu schauen.
  5. Zu unseren Zimmern gehen wir durch den Stiegenaufgang, der ein kleines Museum für Strom und das Kraftwerk ist.
  6. Die Kinder können dort selbst Strom erzeugen mit einem Laufband mit einem Kletterrade mit Tastsensoren. Sie haben immer noch Schwung.
  7. Ich bin aber schon ein bisschen müde und lese leider nicht die Tafeln über das Kraftwerk und den Kraftwerksbau, sondern drücke mit den Kindern auf Knöpfe und schaue ihnen beim Klettern zu.
  8. Vor dem Schlafengehen lese ich den Kindern noch ein Kapitel als dem Kinderbuch über Elektrizität vor und geniere mich ein bisschen, dass ich eigentlich über Strom nichts weiß.
  9. Nach dem Frühstück (es gibt sogar eine Ecke mit Mölltaler Spezialitäten – Sasaka, Hauswurst, Glundner Käse – aber das ist mir zu deftig) kaufen wir im Souvenirshop Tickets für die Staumauerführung.
  10. Zuerst führt uns der Guide auf die Staumauer und die Aussichtsplattform. Bei Tag ist das noch viel schrecklicher und ich muss mich sehr zusammennehmen, nicht laut „Kuhgitter“ zu schreien.
  11. Die Staumauer ist eine Art von gekippter Kuppel und besteht aus 30 Betonblöcken, die nicht miteinander verbunden sind. Sie halten allein durch den Druck des Wassers und des Gesteins, und sie  sind verschiebbar. An einer Stelle sieht man, wie ein Block gut fünf Zentimeter weiter heraussteht als sein Nachbar.
  12. Der Beton wurde aus den Steinen auf den Geröllfeldern produziert. Stahl wurde nicht benutzt, für diese Art von Konstruktion sei Beton alleine günstiger und man könne viel dünner bauen.
  13. Die Mauer würde zusammenbrechen, wenn der See leer wäre.
  14. Von Frühling bis Herbst wird der See gefüllt. Nur die Hälfte des Wassers ist der natürliche Zulauf. Die andere Hälfte wird aus einem Speicher zugepumpt. Dafür wird im Sommer Windenergie aus Norddeutschland importiert, sagt der Guide. Erst später kommt mir in den Sinn, dass ich fragen hätte sollen, ob das Windenergie von kleinen Betreibern ist, oder von einem Großanbieter, der eben einfach Strom verkauft.
  15. Der Strom wird erst produziert, wenn der See voll ist, also im Herbst, bis in den Frühling, indem das Wasser über kilometerlange Stollen zu den eigentlichen Kraftwerken stürzt.  Das wusste ich auch nicht, ich habe immer gedacht, Wasserkraftwerke produzieren hauptsächlich im Sommer Strom.
  16. Am Ende der Mauer gehen wir durch eine Tür. Dort ist es kühl, der Stollen wirkt wie ein Bergwerksstollen. Sobald wir den Felsen verlassen, sind wir in der Staumauer selbst. Dort gibt es tausende Kontrollpunkte auf verschiedenen Ebenen, weil ständig kontrolliert werden muss, inwieweit die Betonblöcke sich gegeneinander verschieben, wo Löcher oder Risse entstehen.
  17. Die gesamte Staumauer ist bei fast leerem Stausee um drei Meter weiter hinten als bei vollem Stausee.
  18. Das macht mir Angst. Ich fühle mich mulmig, mitten in der Staumauer, wo alles in Bewegung zu sein scheint und dennoch wie ein sicherer Stollen wirkt.
  19. Mich fasziniert es auch, was für eine Konstruktionsleistung in ein solches Bauwerk eingeht. In jedes Bauwerk dieser Art. Und ich erinnere mich an das Buch Seven Wonders of the Industrial World, das ich vor Jahren gelesen habe, und nehme mir vor, zumindest das Kapitel über den Hoover Dam noch einmal zu lesen.
  20. In einem Raum sind Kraftübertragungselemente ausgestellt, die nachträglich eingebaut werden mussten.
  21. Nach einigen Jahren wurde die Mauer nämlich undicht. Um den Wasserverlust einzudämmen, wurden verschiedenste Maßnahmen ergriffen, eine davon sei, laut Guide, gewesen, dass man Tennisbälle in den See warf, und hoffte, diese würden die Spalten verstopfen.
  22. Später wurde ein ganzer Stützsockel eingebaut.
  23. Ich fühle mich immer noch nicht sicherer, gehe aber tapfer weiter (es bleibt mir nichts anderes übrig). Ich bin aber sehr froh, dass ich diese Führung mitgemacht habe. So viele wundervolle Dinge hätte ich mir von der Führung nicht erwartet.
  24. Nach der Führung fahren wir ins Tal, zu den Malteiner Wasserspielen. Nach der Beschreibung habe ich mir etwas Ähnliches erwartet wie bei der Garnitzenklamm. Auf der Website der Wasserspiele ist angegeben, man wandere zwei Stunden lang. Nach wenigen Minuten haben wir aber schon alle angegebenen Wasserfälle erreicht. Die sind sehr schön, es gibt auch dunkelgrüne Becken, die Tümpfe genannt werden. Aber zum Verweilen lädt hier nicht viel ein. Deshalb fahren wir weiter nach Gmünd.

 

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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