Pensées: Ein Ausflug nach Trento

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  1. Im Sommer fahren wir für einige Tage ins Trentino. Diesmal machen wir einen Ausflug nach Trento.
  2. Ich kenne die Stadt nicht sehr gut, obwohl wir oft im Trentino waren, sind wir erst einmal nach Trento gefahren.
  3. Wir parken in der Nähe des  Castello del Bounconsiglio und schlendern in die Stadt.
  4. Viele der Häuser haben kleine Erker und Balkone, sind mit Fresken bemalt. Oft gibt es eine Tafel, die die Geschichte des Hauses erklärt.
  5. An einem Haus fällt mir ein Relief auf, auf dem drei bärtige Männer ein Kleinkind erdrosseln. Die Tafel sagt, das Bild stelle einen (nie verübten) jüdischen Ritualmord dar, aufgrund dessen die jüdische Gemeinde aus Trento vertrieben wurde. Das Haus selbst steht an dem Ort, an dem sich die Synagoge befunden hatte.
  6. Ein Stück Geschichte, das leicht übersehen werden kann, das leicht für Barockfolklore gehalten werden kann.
  7. Viele Fresken sind stark verblasst. Das sieht schön aus, aber oft sind die Bilder nicht mehr erkennbar und bald werden sie verlorengehen, wenn sie nicht renoviert werden.
  8. Auf dem alten Rathaus steht ein bronzener Adler und die Inschrift: Montes Argentum mihi dant nomenque tridentum (Die Berge geben mit Silber und den Namen Tridentum).
  9. Trento wurde angeblich wegen der drei Berge, die die Stadt umgeben, Tridentum (Dreispitz oder Dreizack) genannt. Das erklärt auch den Neptunbrunnen am Domplatz, so fern von jedem Meer.
  10. Dort steht auch ein Haus mit springenden Hirschen, einer Frau, die zwei Kinder an den Haaren packt, einer andren, die auf einem Rad balanciert, jemandem, der auf der Tugendleiter in den Himmel klettert. Die Fresken seien ein „geöffnetes Sittenbuch“.
  11. Am Dom tragen Löwen kunstvoll verknotete Säulen. Innen gibt es alte Fresken, ´von denen auch schon viele verbleicht und halb abgebröckelt sind. Die Barockisierung ist auch hier vorhanden.
  12. Das Konzil von Trient fand im 16. Jahrhundert in diesem Dom statt.
  13. Vor der Kirche ist ein Gemüsegarten aufgebaut. Mit Melanzani, Kohlrabi, Tomaten, Kräutern, Bohnen. Alles schön gewachsen, nichts geplündert oder vandalisiert.
  14. Auf dem Weg zum Castello del Bounconsiglio zurück sehe ich in einem Geschäft Espressokannen in den Vereinsfarben der größten Fußballclubs. Wenn der Kaffee fertig ist, so die Beschreibung, spielt die Kanne die Vereinshymne.
  15. Wir essen Sandwiches, dann gehen wir in das Castello del Buonconsiglio.
  16. Vor eineinhalb Jahren war ich in dem Museum. An vieles erinnere ich mich nicht mehr. Ich glaube fast, wir sind damals in andere Räume gegangen als heute, oder mein Interesse hat sich in dieser Zeit so verändert, dass ganz andere Räume Priorität bekommen oder vergessen werden.
  17. Ich finde es schade, kein großes Museum in der Nähe von mir zu Hause zu haben, das ich immer wieder besuchen kann, um solche Dinge zu testen.
  18. An das mumifizierte Krokodil erinnere ich mich und an den mumifizierten Fuß. An die Aussicht. An den grölenden Gott Bes, dessen Penis bis unter die Knie hängt, erinnere ich mich nicht.
  19. Es gibt viele sakrale Werke. Eine Statue einer Heiligen, die zwei Augen auf einem Teller trägt, wirkt eher makaber.
  20. Eine Venus aus dem 16. Jahrhundert, die will gerade Amor schlagen, der von einem anderen Kind festgehalten wird.
  21. In der Sala dei Vescovi sind alle Bischofe von Trento vom Jahr 1000 bis ins 18. Jahrhundert. Die Namen der Päpste stehen dort und die Bilder der Monarchen, die zur gleichen Zeit herrschten wie die Bischöfe, die auch abgebildet sind. Die Bilder sind aus verschiedenen Epochen, die ältesten aus dem 15. Jahrhundert. Die vielen, streng dreinschauenden Männertorsos wirken bedrückend.
  22. Decken und Wände sind in vielen Räumen geschmückt. Ein Raum hat Statuetten an der Decke, ein anderer Bilder aus dem Leben Cäsars – mit Elefanten und vielen nackten Männern (sie reiten und huldigen dem Kaiser nackt).
  23. Die Sonderausstellung zeigt Antikriegskunst aus dem ersten Weltkrieg. Verstörende Bilder, Karikaturen und Fotos sind dabei.
  24. Im Hinausgehen sehe ich den Aufgang zum Adlerturm. Dorthin hätten wir ein Extraticktes kaufen müssen. Haben wir aber nicht und es ist spät geworden. Die Plakate beim Turmaufgang machen mich neugierig, ich kaufe ein Buch über den Turm und merke zu Hause, dass ich das Schönste in diesem Museum wieder nicht gesehen habe.
  25. Das nächste Mal vielleicht.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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