Pensées: Ein Ausflug ins Diözesanmuseum von Trento

DSC07135

  1. Auf dem Heimweg vom Trentino fahren wir noch einmal nach Trento und gehen ins Diözesanmuseum.
  2. Im untersten Stock gibt es eine Ausstellung mit Votivbildern aus drei Jahrhunderten. Diese Bilder wurden gestiftet, um Gott, Maria oder zuständigen Heiligen für die glückliche Überwindung einer Krankheit oder gefährlichen Situation zu danken.
  3. Da gibt es ein Bild einer Frau, die Blut spuckt, während ein Mensch aus einem brennenden Haus gerettet wird.
  4. Bilder von Tieren, die auf der Weide sind oder geschlachtet werden. Bilder von Kutschen, aus denen Damen herauskugeln oder von Fuhrwerken, deren Ladung einen Mann erschlägt. Von Pferden, die in einem Fluss den Halt verlieren und den reitenden Mönch fast ertrinken lassen.
  5. Aber die Bilder gibt es nicht nur aus Jahrhunderten, in denen die Religion einen hohen Stellenwert hatte und der Glaube an Heilige als eine Notwendigkeit erschien. Auf einem Bild von 1978 ist ein Auto dargestellt, dem ein Reifen davonfliegt. Auf einem Bild von 1964 fällt einem Maibaumkletterer eine Korbflasche Wein auf den Kopf.
  6. Die Unfälle und Missgeschicke können nicht zu schrecklich oder trivial sein, dass sie nicht auf einem Votivbild dargestellt sind. Allen Bildern gemeinsam ist, dass sich über der dargestellten Szene der Himmel auftut und Jesus, Maria oder Heilige im Glanz des himmlischen Lichtes erstrahlen.
  7. Die Kinder interessieren sich auch für die Bilder und versuchen herauszufinden, was dort wohl passiert sein mag. Das ergibt einige seltsame Geschichten.
  8. Im Stiegenhaus hängt ein großes Bild des Konzils von Trento. Die wichtigsten Würdenträger sind durchnummeriert und ein einer Legende verzeichnet.
  9. Naturgemäß gibt es hier viele sakrale Ausstellungsstücke. Wieder (wie in Bologna) sehe ich zwei Altarbilder aus dem 15. Jahrhundert, in dem der kleine Jesus eine Korallenkette trägt. Ich wundere mich, warum ich Dinge, die mir noch nie vorher auffielen, immer wieder nach dem ersten Bemerken gehäuft beobachte. Das kann doch nicht sein, dass ich zufällig nacheinander an Orte mit gewissen Merkwürdigkeiten gerate. Es kann aber auch nicht sein, dass ich diese Merkwürdigkeiten nirgends sonst bemerke, obwohl ich ständig daran vorbeigehe.
  10. Ich beginne an meiner Wahrnehmung zu zweifeln. Und entwickle Verschwörungstheorien über die Reihenfolge meiner Ausflüge.
  11. An der Wand ist ein Fresko einer Schlacht, in der Menschen von Pferden zertrampelt werden.
  12. Die permanente Ausstellung hat auch ein Votivbild. Von der Pestepidemie im 17. Jahrhundert. Dort muss es eine Quarantänestadt gegeben haben, mit Baracken und Fässern, in denen Menschen untergebracht waren. Überall hängen weiße Tücher herum, Feuer brennen, Priester nehmen die letzte Ölung vor.
  13. Bei einem anderen Votivbild einer Schlacht um Trento merke ich zum ersten Mal, dass die Etsch auf diesem Bild ganz anders, viel zentraler, verläuft als heute.
  14. Bei einem Abendmahlbild picken Hühner Speisereste auf und ein Hund wartet auf einen Happen. Auf dem Tisch liegt etwas, das wie ein gefüllter Darm oder Magen aussieht. Es gibt hier einen geführten Rundgang zu Abendmahldarstellungen in Trento. Das hätte mich auch interessiert. Einen Flyer davon gibt es noch. Auf einer der Darstellungen liegen Hummer auf dem Tisch verteilt. Eine sehr seltsame Ikonographie für ein Gebiet weit weg vom Meer.
  15. Von einer Ecke des Museums sieht man von oben herab in den Dom hinein. Das wird als etwas Besonderes beschildert, man sieht aber hauptsächlich in einen Lagerraum mit Kisten voller Werkzeug.
  16. In einem Gang sind die Schätze von Georg von Liechtenstein ausgestellt. Er war von 1390 bis 1407 Bischof von Trento. Davor war er Bischof von Wien. Zu den Schätzen gehören Stickarbeiten in Gold und Seide für Messgewänder, die ganze Geschichten erzählen, von Heiligen und von Schlachten. Die sind so fein gearbeitet, mit so vielen Details, als wären sie gemalt.
  17. Beim Verlassen des Museums überlege ich mir, wie ein von mir gestaltetes Votivbild aussehen würde. Oder ob ich ein Abendmahl mit Hors d’Oeuvres oder doch nur mit Brot und Wein gemalt hätte. Mir fällt dabei auf, wie wenig ich die Ikonographie vergangener Zeiten entschlüsseln kann.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Pensées abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s