Silber und Gold reloaded

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Im zweiten Teil der Sommerserie Schmuckkolumne reloaded habe ich Silber und Gold aus 2011 noch einmal fotografiert.

Vom Wühlen und Suchen und Stöbern schrieb ich da, von Neukombinationen, Funden, neuen Bedeutungen.

Als ich klein war, hatte meine Oma den Dachboden noch nicht ausgebaut. Sie lagerte dort das Heu für die Ziegen und den ganzen alten Krempel, der ihr zum Wegwerfen doch zu schade war. Und ich konnte stundenlang dort sitzen, die alten Kommoden, die schon leicht morsch waren und muffig rochen, durchwühlen, und hier einen alten Schuh herauskramen, dort ein Kuvert mit einem Kinderfoto meiner Mutter, silbern glitzernde Handschuhe oder goldfarbene Knöpfe eines längst zerschlissenen Kostüms. Ich stelle mir dann vor, das wäre Schätze. Ich glaube nicht, dass ich Geschichten dazu erfand. Die Geschichten waren einfach da, während ich diese Dinge in der Hand hielt. Im Nachhinein kommt es mir zumindest so vor, als wären sie dagewesen. Sonst könnte ich mir auch nicht erklären, warum es damals für mich das Schönste war, auf einen alten Schuh zu stoßen.

Wie in der alten Schmuckkolumne trage ich silberne und goldene Creolen. Jetzt habe ich aber gedehnte Ohrlöcher und Piercings nm Conch und outer Conch. Auch dort trage ich Creolen. Das Ensemble sieht nun wilder aus, weniger geordnet. Wie ein Wasserfall, wo die alte Kombination aussah wie ein ruhiger Teich, in den ein Stein gefallen war.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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68 Antworten zu Silber und Gold reloaded

  1. OldMac schreibt:

    Meiner Meinung nach eine der schönsten Kombinationen, die du uns hier je in den letzten Jahren vorgestellt hast. Viele große Creolen hintereinander getragen sieht man leider seltener als die Blaue Mauritius, dabei sieht es für meine Begriffe sehr attraktiv aus.
    Ich kann mir als Mann durchaus vorstellen, dass es im Alltag vom Tragekomfort her mit der Zeit von der Damenwelt als sehr störend empfunden würde und Blicke bei den Mitmenschen hervorriefe, die von verwundert über entsetzt bis verstörend reichen, aber im selteneren Fall im positiven Sinn.
    Ich spreche da aus vergleichbarer Erfahrung, da ich u.a. eine Vorliebe für Ringe besitze und sie sehr häufig an allen 10 Fingern trage und manche Blicke auch sehr unangenehm werden können.

    • carina schreibt:

      hallo OldMac, ich habe 42 ohrlöcher und bekomme eigentlich kaum negative reaktionen oder blicke mit, ganz im gegenteil. vielleicht haben es da männer immer noch schwieriger (oder vielleicht bin ich eine ausnahme, aber wenn ja: warum?)

  2. Mike schreibt:

    eine wunderbare Idee einige der besten Kombinationen nochmals zu zeigen🙂

  3. aaron schreibt:

    Wäre schön, käme noch mehr davon🙂

  4. nergiz schreibt:

    gibt es bald neue „Wiederauflagen“? Platinum Red, Teilberingt, Askese, Die Leichtigkeit des Seins, Starry Night, Rund und eckig, Spiralen, Nasenringe, Silberplatten und vor allem Aural Sculpture wären großartig!

    • Karin Koller schreibt:

      Du bist aber eine Kennerin (ein Kenner?) meine Kolumnen. Ein paar davon musste ich überhaupt erst nachschauen, um mich wieder daran zu erinnern. Ich versuche, in den nächsten Wochen Fotos zu machen und dann die Wiederauflagen-Kolumnen weiterzumachen.

      • nergiz schreibt:

        Toll, ich freue mich sehr. Ich freute mich jede Woche auf deine Kolumne und fand sie immer sooo inspirierend, wenn du mich auch schon viel Geld und einige Schmerzen gekostet hast🙂

  5. Nils schreibt:

    Tolle Seite, toller Schmuck. Was hältst du von Ohrringen bei Männern? Gibt’s da einen Lieblingsstyle für dich? Und hast du schon daran gedacht, die ersten Löcher etwas weiter zu dehnen (das würde mMn deine Ohren noch perfekter machen von der Form her)? LG Nils

  6. Kristian schreibt:

    Hallo Karin, ich habe (als noch? Undurchlochter) die gleichen Fragen wie Nils und wäre an deinen Antworten sehr interessiert

  7. marco schreibt:

    das sieht schön aus. hast du die ohrringe am rand des ohres und in der mitte angeklemmt oder festgeklebt oder wie halten die denn?

  8. Karin Koller schreibt:

    @Nils: Entschuldige, ich habe deinen Kommentar übersehen.
    @Kristian und Nils: Mir gefallen Ohrringe bei Männern. Ich könnte nicht sagen, dass es für mich einen Lieblingsstyle gibt. Bei Männern hat mir Verschiedenstes gefallen: Gedehnte Ohrlöcher, kleine Creolen. Ein Ring am Ohrrand. Mehrfachphrlöcher. Ich habe auch schon Tragus- und Conchpiercings bei Männern gesehen, die mir gut gefielen.

  9. Kristian schreibt:

    Danke für deine Antwort. Darf ich dann vielleicht konkreter fragen: wenn du ein Mann wärst, welche Piercings hättest du dann? (Es ist ja leider immer noch so, dass die Geschlechterrollen gesellschaftlich bestimmend wirken, auch diesbezüglich. Mich reizte vieles, und als Frau hätte ich sicher auch schon vieles, aber als Mann ist das zumindest für mich schwieriger)

    • carina schreibt:

      wenn ich mich da einmischen darf: das ist eine interessante frage, die gar nicht so eicht zu beantworten sein dürfte. ich persönlich würde ja für mich hoffen, dass ich diese geschlechterklischees überwunden hätte und mich davon unbeeinflusst dafür entschieden hätte, was mir angenehm ist und mir gefällt. aber ganz sicher bin ich nicht, ob ich mich davon nicht zumindest innerhalb einer gewissen bandbreite beeindrucken lassen würde. ich glaube, ich müsste daher ehrlicherweise zwei antworten geben, eine vorsichtige und eine „freie“. wie siehst du das, karin?

      • Karin Koller schreibt:

        Ich sehe das ähnlich. Letztlich hängt alles vom persönlichen Empfinden ab. Ich höre hier immer wieder von Männern, die lange diese gesellschaftlichen Sorgen hatten, sich dann trauten und keinerlei Probleme, ja oft sogar Bewunderung bekamen.
        Ich denke, man soll machen, womit man sich wohlfühlt. Ist man sich nicht ganz sicher, kann man ja klein anfangen und mal schauen, was passiert. Das Umfeld, auch das berufliche, gewöhnt sich da schnell und es gibt für fast alle Piercings Schmuckstücke, die elegant aussehen und andere, die eher subversiv wirken. Mit der Schmuckwahl kann man da viel bei der externen Wahrnehmung beeinflussen. Und du hast recht: Diese externe Wahrnehmung sollte egal sein, das ist aber nicht immer so einfach.

  10. carina schreibt:

    wie sähen dann deine zwei antworten aus, karin? ich habe jetzt nachgedacht und fürchte, meine würden sich stärker unterscheiden als ich instinktiv gemeint hätte

  11. Kristian schreibt:

    Danke für die faszinierenden Gedanken. Jetzt bin ich aber auf eure Antworten gespannt!

    • omirapalu schreibt:

      Finde das ´ne nachdenkenswerte Fragestellung. Wäre ich ´ne Frau, dann hätte ich jedenfalls gepiercte Nippel, zumindest 2 Bauchnabelpiercings, Zunge, Nase, Medusa und Ohren im Karin-Style, vielleicht mit 20mm-Lobes. Ein Industrial käme wohl auch noch dazu.

    • Karin Koller schreibt:

      Das ist schwer zu sagen. Ich bin ohnehin eher ein Schisshase und fange gerne langsam an. Ich hatte auch nie einen Plan von Piercings, die ich haben wollte, das hat sich nach und nach alles ergeben.Wenn ich irgendwo neu dazukam (privat und auch beruflich) hatte ich nie Probleme.
      Ich sehe in Vorarlberg viele Männer mit Ohrschmuck. Da ist das recht normal. Vielleicht würde mir als Mann das auch Mut geben.
      Heute im Einkaufszentrum sah ich einen Mann mit 20mm gedehnten Ohrlöchern, 2x Conch und einen breiten Ring im oberen Ohrrand. Das sah schon sehr gut aus.
      Wenn ich es mir so recht überlege, hätte ich doch nicht wie Carina zwei Antworten, sondern würde mir Ohrlöcher stechen lassen und von dort weitersehen, wohin meine Laune und mein Mut mich hinbringen.

      • aaron schreibt:

        einfach zwei so winzige lobesteckerchen?

      • Karin Koller schreibt:

        Ich sage nicht, was Kristian machen soll, sondern, was ich machen würde. Vielleicht würde ich 2 Wochen, nachdem ich die Löcher gemacht habe, schon dehnen. Ich fange gerne vorsichtig an und gehe von dort weiter. Andere haben es lieber, sich Hals über Kopf irgendwo hineinzustürzen, wenn einmal Schwung da ist.

      • aaron schreibt:

        oh, das war nicht kritisch gemeint. verzeih, wenn das so rüberkam. ich dachte nur, die frage war nach dem gewünschten endresultat.

      • Karin Koller schreibt:

        Das Endresultat bleibt der Laune überlassen, das ist ja das Schöne. Ich habe es gern, klein anzufangen. Es ging ja auch darum, wie ich es anlegen würde. Und für mich würde ich dann diese Zweiteilung zwischen meinen heimlichen Wünschen und der von mir wahrgenommenen gesellschaftlichen Akzeptanz einfach aufheben. So habe ich es gemeint.

      • aaron schreibt:

        jetzt musst du aber bitte auch die „heimlichen Wünsche“ darlegen

      • Karin Koller schreibt:

        @aaron Wenn ich ein Mann wäre? Schwer zu sagen. Mich hat immer der erotische Aspekt von Piercings interessiert. Ich hatte Hemmungen vor meinem ersten Intimpiercing. Die hätte ich als Mann vermutlich auch. Andere Dinge werden mehr von der Lebenssituation bestimmt, ob Partner/Partnerin mitmachen und das auch gut finden. Ich denke, ich würde in diese Richtung „heimlich wünschen“.

      • bebibebi schreibt:

        was seht ihr diesbezüglich als die größten genderunterschiede, faktisch und von der konstruktion, vom klischee her?

      • Karin Koller schreibt:

        Faktisch: Die Anatomie ist unterschiedlich und deshalb sind nicht gar alle Piercings bei beiden möglich. Mehr als diese Banalität gibt es faktisch nicht. Alles andere ist Konstrukt und Klischee. Dass Männer sich weniger schmücken dürfen, dass Piercings als „unseriös“ gelten, etc. Oft ist es so, wenn man sich dazu aufrafft, für sich selbst diese Klischees zu zerschmettern, das Umfeld sich viel weniger daran stößt, als man befürchtete.

      • LostAngel1989 schreibt:

        Gibt es belastbare Zahlen dazu, wie sich die Piercinggewohnheiten von Männern und Frauen unterscheiden? Ohne die ist es natürlich rein spekulativ, aber vielleicht ist der Einstieg für Frauen leichter, weil ja normale Ohrlöcher nach meiner Beobachtung fast eine 100%ige Prävalenz haben und die Überwindung geringer ist, wenn man praktisch schon damit starten kann? Das wäre dann ja auch konform mit Karins vorsichtigem geplantem Vorgehen als fiktiver Mann (erstmal Grundparity zu Frauen schaffen). Oder liege ich mit dieser Vermutung ganz daneben?

      • daria1985 schreibt:

        Was mich an dieser Diskussion fasziniert, ist, dass, obwohl Körperinszenierung prinzipiell seit langem bei Männern nicht weniger prävalent und akzeptiert ist als bei Frauen (man blättere nur eine beliebige Ausgabe von GQ, Men´s Health oder Esquire durch), diese Akzeptanz und Prävalenz gerade dann, wenn es um Schmuck im klassischen Sinn geht (also Schmuckstücke aus Metall etc, die am Körper getragen werden), doch noch nicht annähernd gegeben zu sein scheint. Ich habe ja eine Theorie, warum das so sein könnte, die sich aber auch nicht auf mehr als anekdotischen Beobachtungen (die mit dem, was Aaron sagt, gut übereinstimmen, und Spekulation stützt. Ich wäre interessiert, wie ihr – v.a. die Expertinnen Karin und Carina – das seht. (Also sowohl in Bezug auf den Status als auf dessen Ursachen).

      • Kristian schreibt:

        „Männer wollen eher einen Lebensstil ausdrücken, sich abgrenzen und identifizieren, während Frauen hauptsächlich (aber nicht nur) bestimmte Körperstellen besonders betonen möchten.“ http://www.lui-styleguide.uni-tuebingen.de/wp-new/?p=685
        Was haltet ihr davon?

      • aaron schreibt:

        Kristian: das mit dem abgrenzungswunsch bei männern sehe ich null. wenn das do wäre, bestünde ja die hemmung nicht, sich zu piercen, die ja gerade auf dem widerspruch mit den sozialen erwartungen beruht.
        daria1985: ich vermute, dass männliche ängste dahinterstehen, die irgendwie rationalisiert werden. so ist das jedenfalls bei mir

      • Karin Koller schreibt:

        Über Darias Theorie muss ich noch nachdenken. Zu den Rationalisierungen: Kann es sein, dass Männer so erzogen werden, dass sie Angst nicht zugeben und sie deshalb mit Rationalisierungen umschiffen? Und Frauen so, dass sie eher diese Ängste ansprechen und daher eher sich damit auseinandersetzen?
        Dass Schmuck bei Frauen hier akzeptierter ist als bei Männern, spielt wohl auch eine Rolle.

      • aaron schreibt:

        bist du zu inzwischen einem ergebnis in bezug auf darias theorie gekommen?

      • Karin Koller schreibt:

        Ich habe mich wohl etwas verloren und den ungewohnt vielen Kommentaren.
        Daria hat die Theorie nur angekündigt, nicht aber uns vorgestellt, wenn ich das richtig verstehe. @daria: Sagst du uns deine Theorie?
        Zu Männer-Selbstdarstellung: Ich meine, das ist eine Gruppensache. Die Gruppe der Businessmänner traut sich bunte Krawatten und bunte Socken als neckisches Modeelement, das sieht recht einheitlich aus. Bei Fußballern ist es ganz anders. Die tragen viel Schmuck und viele Tattoos. Ich denke (ohne etwas belegen zu können, rein aus der Beobachtung heraus), dass Trendsetter sehr wichtig sind. Dass das aber keine Genderfrage ist, eher eine Modefrage.

      • daria1985 schreibt:

        Ich glaube, es ergänzen sich hier einige Faktoren, die zu Genderunterschieden führen, obwohl das natürlich keine biologischen Zwangsläufigkeiten sind. Körperschmuck war im westlichen Kulturkreis lange (vom 19. Jhdt. an bis in die 80er-Jahre) fast rein weiblich konnotiert (Ausnahme: Siegelringe und Uhren). Das hat Nachwirkungen, insbesondere jenseits der „campen“ Mainstreamgruppen. Es war lange „ungewöhnlich“ für Männer, diese Konnotation zu ignorieren, gerade wenn sie nicht besonders individualistisch gesinnt waren, sondern vor allem nicht angreifbar sein wollten. Jetzt ist diese Konnotation natürlich rückläufig, schon seit Jahren. Aber sie ist noch nicht verschwunden. Sie stellt daher wohl für viele Männer immer noch eine Grundhürde dar, die zuerst einmal überwunden werden muss. Je schwieriger andere Umstände, die dazukommen, das Überwinden der Grundhürde machen, desto weniger dürfte sie überwunden werden. Und Schmerzen, Kosten, Ungewissheit u.a. sind solche anderen Umstände mMn.

      • Karin Koller schreibt:

        Das ist im Grunde die Theorie des „Herdentriebs“ oder Gruppenzwang/stimulus, oder verstehe ich dich falsch?

      • daria1985 schreibt:

        Eher umgekehrt: ich glaube, dass es ein Tabu gab, das erst langsam aufgelöst werden muss. Und dass es spezifische Zusatzfaktoren gibt, die hier die Geschwindigkeit der Enttabuisierung hemmen.

      • Karin Koller schreibt:

        Aber ist das nicht das Henne-Ei-Dings, das Gesellschaften ausmacht (gleiche Bilder etc., an die alle glauben)?

      • daria1985 schreibt:

        Jein. Es ist die Kehrseite davon: dass ein bestehendes Tabu gebrochen wird, erfordert ja die Existenz von Leuten, die den Herdentrieb ignorieren und sich explizit gegen die Herde stellen.

      • Karin Koller schreibt:

        Setzt aber auch voraus, dass es sie Herde gibt. Also eine Henne/Ei-Sache.
        Tabu ist mir ein zu starkes Wort.
        Ich denke, bei Rappern, Fußballern, Popstars sieht man ganz deutlich, dass es umgekehrt die Gruppendynamik hin zu viel Schmuck bei Männern gibt.

      • daria1985 schreibt:

        Natürlich. Das ist ja die Enttabuisierung. Aber in den 50er-Jahren war das Tabu noch ziemlich

      • Karin Koller schreibt:

        Es gibt/ in verschiedenen Gegenden oder Gruppen schon lange Traditionen von Ohrringen bei Männern:zB Seeleute in Deutschland, Soldaten in Frankreich, Männer im Appenzell. Auch gab es eine Tradition aus gesundheitlichen oder abergläubischen Gründen Buben die Ohren zu durchstechen. Das mit den Ohrringen sehe ich deshalb nicht als Tabu, sondern eher als sich wandelnde Mode-, Glaubensfragen.

      • daria1985 schreibt:

        Das sind aber alles sehr kleine Outsidergruppen, die den Mainstream nie erreicht haben. Du wirst im 19. und in der 1. Hälfte des 20. Jhdts. im Westen wohl nicht einen unter 100000 Männern finden, der – außer einem Siegelring, einer Uhr oder einem versteckten Amulettchen oder Kettchen – Schmuck getragen hat.

      • Karin Koller schreibt:

        Flinserl waren recht beliebt, im 19. Jahrhundert und auch noch, als ich jung war. Mir fallen auch immer wieder Männer in Serien und Filmen, aber auch auf der Straße auf, die ein Ohrloch, aber keinen Ohrring haben.

      • daria1985 schreibt:

        Aber doch erst seit den 80er-Jahren, oder. Ich kenne zwischen 1850 und 1960 kein einziges Beispiel eines „westlichen“ Mannes jenseits kleiner und kohärenter Gruppen wie Seeleute, Handwerksburschen auf der Walz oder Appenzeller usw., der Ohrschmuck trägt.

      • Karin Koller schreibt:

        Aber Seeleute, Handwerksburschen und Soldaten sind doch keine kleinen und kohärenten Gruppen. Bei Handwerkern gab es sogar für jeden Beruf eigene Ohrringe (Belege dafür gibt es in Handwerkerausstatterkatalogen zb von 1929). Ohrringe für Buben zur Stärkung der Sehkraft waren in Österreich, Deutschland und der Schweiz bis 1950 recht häufig. Im Bürgertum nahm die Mode in D ab 1880 ab.

      • daria1985 schreibt:

        stark. Seither weicht es langsam auf.

  12. aaron schreibt:

    verstehe ich gut. ich hätte auch nie den mut zu intimpiercings (leider)

      • aaron schreibt:

        ich weiß und bin sehr beeindruckt. aber vielleicht ist der faktische genderuterschied einfach, dass frauen mutiger sind? und all das gerede um die angst vor reaktionen ist einfach nur männliche schutzbehauptung?

      • Karin Koller schreibt:

        Ich glaube nicht, dass Frauen mutiger sind. Schutzbehauptung könnte es schon sein, von denen, die sich nicht mit der Überwindung ihrer Ängste beschäftigen wollen.

      • aaron schreibt:

        das kann gut sein. von mir selbst ausgehend ist das sogar wahrscheinlich. aber warum ist das so? ob da die anatomischen gegebenheiten auch eine rolle spielen?

      • Bart schreibt:

        Vor etwa 5 Monatebekam ich ein Anti-Depressivum verschrieben, das als Nebenwirkungen sexuelle Dysfunktion hatte Mein Arzt versicherte mir, das sei nur vorübergehend, aber mich beeinträchtigte es über Wochen sehr. Ich wollte wenn möglich keine weiteren Medikamente nehmen, obwohl mir der Arzt eine Art Viagra verschrieb und googelte also quer durch den Gemüsegarten und fand dabei Berichte, wonach bestimmte Intimpiercings Empfindlichkeit und Vergnügen erhöhten.

        Ich sprach darüber mit einer Piercerin (was mir ziemlich peinlich war, aber sie war nett) und sie meinte, ein Frenum könnte hilfreich sein, weil gerade das die Empfindlichkeit verbessere. Nach einigem hin und her habe ich mich überwunden und es machen lassen. Die Wirkung war erstaunlich. Letzte Woche ließ ich mir ein zweites Frenum etwa 1,5 cm niedriger als das erste setzen und plane eine Leiter. Ich finde, die Überwindung ist sehr lohnend. Meine Frau finbdet es übrigens auch angenehm.

  13. Pingback: Genderunterschiede in der Körperinszenierung | dariabrath

  14. carina schreibt:

    puh, hier ist ja inzwischen einiges passiert.
    @Kristian: sehe ich wie aaron. wenn abgrenzung die hauptmotivation wäre, dann gäbe es die problematik „soziale akzeptanz“ und „den gesellschaftlichen erwartungen entsprechen“ nicht.
    umgekehrt kann, habe ich mir jetzt durchgedacht, die „soziale akzeptanz“ auch nicht der entscheidende faktor sein, sonst müssten ja verhältnismäßig männer viel häufiger an öffentlich nicht sichtbaren stellen gepierct sein. wofür es aber keine anzeichen gibt (ich las davon, dass dreimal mehr frauen intimgepierct sind als männer. es muss also eine andere hauptursache haben (im einzelfall kann das natürlich immer anders sein).
    @daria: du hast recht. körperinszenierung ist wohl inzwischen bei männern sehr viel selbstverständlicher geworden. ob es da aber nicht doch trotz allem noch signifikante unterschiede zu frauen gibt, würde ich nicht wagen, auszuschließen. also: den status sehe ich in grundzügen ähnlich wie du. über die ursache kann ich nur spekulieren. eine anekdote dazu hätte ich aber zu bieten: ein bisher ungepiercter 41-jähriger freund von mir kam vor drei monaten zu unserem monatlichen treffen plötzlich mit 20mm-silberringen in jedem ohrläppchen. ich fragte ihn how come, worauf er mir erklärte, seit ende der 90er-jahre den wunsch nach körperschmuck gehabt zu haben, aber immer irgendeinen grund gesucht und gefunden zu haben, weshalb das für ihn nicht machbar sei. jetzt habe er sich im urlaub mit einer frau aus dem gleichen hotel angefreundet, mit der er eine stadtbesichtigung gemacht habe. die habe, als sie an einem piercingstudio vorbeikamen, spontan gesagt, sie wolle sich ein septum stechen lassen. er ging mit rein, die freundin habe ihren wunsch kundgetan und die rezeptionistin wohl nicht bemerkt, dass er nur als begleitschutz dabei war und ihn auch gefragt, was er denn usw. da habe er einfach spontan ohrlöcher verlangt und 10 minuten später auch gehabt. das reichte, um die hemmschwelle zu durchbrechen, inzwischen hat er conches, ein zungenpiercing und ein frenum und plant, sich die ohren zu dehnen. wäre er nicht in eine ausnahmesituation geraten und zufällig gefragt worden: er würde immer noch keinen schmuck tragen. vielleicht liegt in der geschichte auch ´ne anregung für dich, aaron?
    @karin: ich nehme auch an, dass die sozialisation eine wichtige rolle spielt. bei manchen dauert es eben, bis sie sich aus der einstudierten rolle lösen. aber ich glaube, es bewegt sich einiges. das mit dem mut sehe ich auch so wie du.
    @LostAngel1989: das mit der „grundparity“ klingt ganz einleuchtend und würde ja auch mit der gecshichte meines freundes in einklang zu bringen sein. ich kenne aber keine zahlen dazu, ob männer mit ohrlöchern signifikant häufiger andere piercings.

  15. carina schreibt:

    ich dachte schon, ich käme darum rum. variante vorsicht wäre auf den genitalbereich beschränkt. ich hätte dann eine frenumladder, ein guiche und einen ampallang, vielleicht einige hafadas, einen pa. variante frei wäre auf jeden fall substantielle ohrtunnel, inner und outer conches und je ein industrial. ein septum, ein labret und dazu noch nippel und die volle genitalpiercingladung.

  16. carina schreibt:

    ja, finde ich auch. ich habe einige Zeit überlegt und habe versucht, mit mir ehrlich zu sein. ich muss gestehen, dass mein körperlicher mut größer ist als mein „moralischer“. hoffen würde ich aber dann doch, dass ich mich in zur freien variante durchringen könnte, wie ich das auch in der realität getan habe.

  17. coolhandluke schreibt:

    Ich mische mich einfach ungefragt in eure interessante Diskussion ein, um meinen Senf dazuzugeben (der zugegebenermaßen nur auf einem Sample von 2 – mir und meinem besten Freund – basiert). Ich bin 41 und seit 3 Jahren moderat gepierct, wollte aber irgendwie schon mindestens 20 Jahre davor gerne Körperschmuck tragen (oder hätte irgendwie gerne gewollt, wenn ich mich dazu durchringen hätte können, aber nicht, dass ihr mich falsch versteht: das war keine fixe Idee, die mich dauernd beschäftigt hat, sondern einfach immer wieder der Gedanke: wäre das nicht auch für mich nett, das sieht doch gut aus oder wirkt aufregend oder angenehm). Für mich (und dann auch meinen Freund) war es notwendig, einen Anstoß von außen zu bekommen, der einfach den Widerstand und die Vorbehalte ignorierte. Also, dass ich genommen wurde und über die erste Hürde geschmissen wurde. Danach lief das alles von selbst, die Vorbehalte waren weg, und der Rest ging dann leicht und natürlich.

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