Pensées: Ein Ausflug nach Gradisca d’Isonzo und Cividale del Friuli

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  1. Erfrischt fahren wir weiter nach Gradisca d’Isonzo.
  2. Das ist ein hübsches Städtchen, aber sonntags scheint hier nicht viel los zu sein.
  3. Ein paar Menschen sitzen im Park im Schatten, einige in der Eisdiele. Die Straßen sind leer.
  4. Vor dem Park steht ein Schild, das allen Tieren den Zutritt auf die Wiese verbietet. Katharina fragt, ob das die Vögel überhaupt wissen können.
  5. Natürlich weiß sie, was das Schild bedeuten soll, aber ich fühle mich bestärkt, weil ich die Kinder immer auf sprachliche Unklarheiten aufmerksam mache, und sie diese jetzt selbst erkennen.
  6. Wir essen ein Eis. Dann gehen wir durch die Stadt. Das dauert aber nicht lange.
  7. Am Hauptplatz steht eine Säule mit dem Löwen von San Marco.
  8. Die Madonna in der Kirche trägt Ohrringe. Einer der Engel, die sie umgeben, hält einen Hammer, ein anderer eine Zange in der Hand.
  9. Langsam glaube ich, es gibt keine Symbolik, die nicht in irgendeiner katholischen Kirche auffindbar wäre.
  10. Die Burg im Ort war früher ein Gefängnis, jetzt wirkt sie verfallen, Fenster sind zerbrochen.
  11. Zum Abendessen ist es noch zu früh, und hier gibt es eigentlich nichts mehr zu tun. Also fahren wir weiter nach Cividale del Friuli.
  12. Über die Teufelsbrücke gehen wir in die Stadt. Die Aussicht von der Brücke aus ist sehr schön.
  13. Der mittlere Pfeiler der Brücke steht auf einem Felsen. Der Legende nach, hat der Teufel (und seine Mutter, die den Mittelpfeiler lieferte) beim Brückenbau geholfen und dafür die erste Seele, die über die Brücke ging, gefordert. Die Menschen von Cividale schickten ihm eine Katze (oder einen Hund). Wie das ankam, weiß ich leider nicht.
  14. Reste einer Brücke aus der Römerzeit wurden hier auch gefunden. Im ersten Weltkrieg wurde die Brücke nach der Schlacht von Caporetto in die Luft gesprengt. Im zweiten Weltkrieg versuchten die Nazis noch am 29. April 1945 die Brücke zu sprengen, schafften es aber nicht.
  15. An den Häusern hängen Schilder mit friulanischen Straßennamen: Puint dal Diaul, Borc dal Domo, Il Cors.
  16. Auch hier gibt es viele Häuser mit Fresken. Auf einem Palazzo kämpfen zwei Männer miteinander, die wie Sumoringer angezogen sind. Nur dass ihre Stringtangas aus Blattwerk zu bestehen scheinen. Herkules gegen Antaeus stelle das Bild dar, lese ich später. Die drei Grazien (natürlich nackt) und Pyramus und Thisbe (mit Löwin) sind auch dargestellt.
  17. Auf der Piazza findet ein Street-dance-Festival statt. Die Kinder schauen zu. Mein Mann und ich gehen in der Zwischenzeit in eine Weinhandlung.
  18. Der Weinhändler gibt uns verschiedene Weine zum Kosten. Ein Wein davon ist von seinem Freund, er erzählt uns von dem kleinen Weingut. Er erzählt auch, wie friulainscher Wein in Italien nur mit einem Korkverschluss verkauft werden könne, weil Schraubverschlüsse mit billigem Wein assoziiert werden. Wie aber die Weine nach Übersee schon mit Schraubverschlüssen ausgeliefert würden.
  19. Er hat einen Wein, der mit Trockeneis gemacht wurde. Leider verstehe ich nicht genau die Technik, obwohl er sich bemüht, langsam zu sprechen. Er zeigt uns auch Käsesorten. Ein Käse wird mit Ziegen- und Schafsmilch gemacht. Zu Spaghetti mit Melanzani sollen wir den fein schaben. Wir beschließen, genau das zu tun.
  20. Der Weinhändler erzählt so viele interessante Dinge, nie habe ich das Gefühl, er will uns etwas aufschwatzen. Eher als würde er erraten, was uns schmeckt.
  21. Dann suchen wir die Kinder, packen unsere Neuerwerbungen ins Auto und gehen Pizza essen.
  22. Die Tische sind gefüllt mit ÖsterreicherInnen. Irgendwie erscheint mir ein Urlaubstag unauthentisch, wenn ich von den TouristInnen, wie ich selbst eine bin, umgeben bin. Aber wer isst schon in Italien um Sieben eine Pizza?
  23. Als wir zum Auto zurückgehen, beginnt es zu dämmern. Der Himmel wird rosa. Die Aussicht von der Teufelsbrücke wirkt geheimnisvoll, als tauchte doch noch des Teufels Mutter aus dem grau-rosa Fluss auf.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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