Pensées: Ein Ausflug nach Innsbruck

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  1. Die Sommerferien gehen zu Ende. Auf dem Weg von Kärnten nach Hause machen wir in Innsbruck halt. Genauer gesagt beim Tirolpanorama auf dem Bergisel.
  2. Hier im Park vor dem Museum essen wir auch unsere Mittagsjause. Mit schöner Aussicht über ganz Innsbruck. Leider ein bisschen wolkenverhangen.
  3. Im Museum kann man eine Karte für Museum, Panorama und Bergiselschanze kaufen. Das Gesamtpaket nehmen wir nicht. Nur die Geschichte, nicht den Sport.
  4. Im Eingangsbereich des Museums stehen neue Skulpturen der wichtigsten Protagonisten der dritten Schlacht am Bergisel vom 13. August 1809. Sie sehen aus wie billige Gipsabdrücke, wie upgegradete Gartenzwerge, sind aber ganz lustig als Einstimmung. Jede Figur hat einen kurzen Beitext.
  5. Über eine Rolltreppe kommen wir zum Panorama. Über dem Eingang hängen Nachbildungen der von den Tirolern benutzten Waffen: Gewehre, Pistolen, Sensen, Mistgabeln, Morgensterne.
  6. Das Panorama ist ein Rundbild aus 1896. Ich stehe auf einer Plattform, auf der ich herumgehen und das Bild betrachten kann. Der Audioguide erklärt, was ich sehe.
  7. Zuerst fällt mir die Landschaft auf – die Berge, die Gebäude, die Weite.
  8. Dann erst die Soldaten. In ihren Tirolertrachen, mit vielen verschiedenen Fahnen. Und die französischen Soldaten mit ihren Uniformen und Gewehren.
  9. Durch die Wälder kommen sie, die Tiroler, manche mit Gewehren, andere sensenschwingend.
  10. Auf dem Hügel steht eine Hütte. Andreas Hofer schaut sich die Schlacht von dort aus an. Zwei Mönche stehen nahe bei ihm. Eine Frau beweint ihren Liebsten, eine andere gibt einem alten Mann zu trinken.
  11. Das sind die einzigen beiden Frauen auf dem Bild.
  12. Unter dem Bild ist eine Landschaft aufgebaut, mit Holzstämmen, Unrat, Blättern, Steinen, einer Feuerstelle. Damit alles noch echter aussieht.
  13. Ich finde das Bild lustig. Im Museumsshop kaufe ich mir ein Buch, das das Bild beschreibt.
  14. Viel recherchiert habe der Maler, steht in dem Buch, aber alles habe er nicht ganz genau so dargestellt, wie es sich abspielte. Manches war auch Propaganda.
  15. So sieht man den Berg Serles auf dem Bild, den man eigentlich von dieser Position nicht sehen dürfte. Schneebedeckt ist der Berg, obwohl es Mitte August ist. ForscherInnen haben sich die Mühe gemacht, die Wetterverhältnisse zum Zeitpunkt der Schlacht zu eruieren. Dort war es so warm, dass nicht so viel Schnee auf den Bergen gelegen haben konnte. Aber als das Bild gemalt wurde, war es ungewöhnlich kühl und der Berg könnte tatsächlich schneebedeckt gewesen sein.
  16. Das Buch stellt die handelnden Personen und die verwendeten Waffen vor. Es macht auch auf Accessoires aufmerksam: Eine Kürbisflasche, ein Wasserbehälter aus Blech. Es hebt kleine Tätigkeiten hervor, wie das Nachfüllen von Zündkraut, das Beruhigen eines Pferdes, das Spenden der letzten Ölung, oder das Trommeln eines Buben hervor und erklärt die Darstellungen. Es zeigt wie „special effects“, wie das Verdecken einer Transportnaht (das Bild war schon 1906 bei der Weltausstellung in London) durch einen Baum, oder wie Metallfolie ein Messer glitzern lässt.
  17. Nach dem Panorama gehen wir noch ins Museum.
  18. In Schaukästen liegen scheinbar wahllos Ausstellungsstücke herum, von Tiroler Knöpfen bis zu tropischen Käfern. Bilder von Andreas Hofer. Ein Tragesessel Garibaldis. Eine Fahne von italienischen Freischärlern. Eine Urkunde vom Kaiser. Ein Modell des Col di Lana. Bilder von Egger Lienz. Manches interessant, manches seltsam, das meiste unmotiviert zusammengestellt.
  19. Im Hinausgehen sehe ich noch ein Bild von einem dreifaltigen Gott. Er hat einen Kopf und einen dicken Hals, drei Nasen und Münder und vier Augen. Dreifaltigkeit als Vieräugigkeit ist ein seltsames Konzept.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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