Pensées: Ein Ausflug zu Victor Hugo und den Habsburgern

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  1. Am letzten Tag in Besançon gehen wir ins Victor Hugo Museum. Es ist ein sonniger Tag.
  2. Im Erdgeschoss des Museums ist eine über 100 Jahre alte Apotheke eingerichtet. Die Stadt spiegelt sich in der Scheibe.
  3. Bei der Kasse bekommen wir einen Audioguide. Ein kleines Regal mit Büchern steht neben der Kasse. Nicht alle Bücher Hugos kann man hier kaufen.
  4. Im Eingangsbereich steht in einer Vitrine ein glasgerahmtes Büschel von Hugos Haaren.
  5. Das Museum zeigt im Keller eine Sonderausstellung über die Frauen im Leben Victor Hugos. Ich finde es nicht gut, wenn Frauen ausschließlich aufgrund ihrer Beziehung zu einem Mann als austellungswürdig erachtet werden. Die Leben der Frauen werden auch hauptsächlich in Relation zu Hugo beschrieben.
  6. Im ersten Stock befindet sich die permanente Ausstellung. Eine seltsame Mischung aus Paraphernalia, zeitgenössischen Dokumenten, moderner Aufarbeitung von Hugos Werk und – seltsamerweise – modernen Kinderzeichnungen.
  7. Ein Kramuri. Schon wieder.
  8. Auch der Audioguide bringt keine Klarheit in das Kramuri. Erklärungen, Gesprächsfetzen, Auszüge aus den Büchern kommen hier ohne mir nachvollziehbare Ordnung daher.
  9. Wir gehen noch einmal durch die Stadt. Auf einem Torbogen steht „UTINAM“. So hieß auch die Uhrenfirma, deren Geschäft geschlossen hatte und die mich zum Kauf einer rückwärtslaufenden Uhr gezwungen hat.
  10. Utinam heißt „hoffentlich“. Das sei das Motto der Stadt.
  11. Von der Brücke aus glänzt der Doubs dunkelblau. Ein alter Kahn setzt sich schwerfällig in Bewegung. Das Herbstlaub leuchtet in allen Farben. Auch auf der Heimreise der Autobahn entlang.
  12. Zu Mittag bleiben wir bei der Habsburg stehen. Der Stammsitz der Habsburger.
  13. Habsburg AG steht auf dem Ortsschild. Nicht weil die Burg so kommerzialisiert ist, sondern weil der Ort im Kanton Aargau ist.
  14. Die Habsburger stammen aus der Schweiz. Oder aus dem Elsass. Guntram der Reiche gründete das Kloster Muri und dessen Enkel Radbot soll die Habsburg erbaut haben. „Havichsberch“ hieß die Burg zuerst. Radbots Enkel war der erste, der sich Graf von Habsburg nannte.
  15. Die Burg ist sehr klein, viel kleiner als ich sie mir vorgestellt hatte. Rund um die Burg sind Informationspunkte mit Plakaten und Audiopräsentationen für Kinder. Das ist ganz nett gemacht. Die einzelnen Teile der Burg werden auch erklärt, Bilder zeigen, wo früher Häuser und Türme waren. Heute sind das zum Großteil nur verfallene Mauern.
  16. Der Hügel, auf dem die Burg steht, heißt Wülpelsberg.
  17. Die Habsburger kontrollierten zunächst einige Klöster: Muri, Ottmarsheim schon im 11. Jahrhundert, später auch St. Blasien und Einsiedeln und Besitzungen im Elsass und Breisgau.
  18. Der tiefste mittelalterliche Brunnen der Schweiz (70m) steht auf der Burg.
  19. Wir gehen ins Museum. Eintritt müssen wir nicht zahlen, wir sehen nicht einmal ein Kartenbüro, nur den Eingang zu einem Restaurant. Cordon Bleu vom Säuli wird angeboten.
  20. Im Burgturm hängen einige Tafeln zur Geschichte der Habsburger. Rudolf I besiegte die Herren von Tiefenstein-Teufen, die Grafen von Savoyen, die Herren von Regensburg. Er übernahm das Kyburger Erbe und arrangierte sich mit dem Baseler Bischof und kam so zur Macht.
  21. Nachdrucke von alten Bildern sind zu sehen. Auf einem flieht Friedrich IV. mit dem abgesetzten Papst in einem winzigen Boot aus Konstanz. Oder als die Eidgenossen im Auftrag Sigmunds die Habsburg eroberten. Nett schauen die alle aus. Mit blonden Locken.
  22. Die Habsburgergeschichte vom 15. Jahrhundert zum ersten Weltkrieg ist auf einer Tafel zusammengefasst.
  23. Im untersten Stock sind einige Fundstücke ausgestellt und das Leben auf der Burg wird beschrieben. Alles ein bisschen durcheinander.
  24. „Funde aus dem 16. Jahrhundert bezeugen, dass auch Bücher gelesen wurden.“ Mehr erfährt man zu diesem Thema nicht. Knochen- und Geweihschnitzerei wurde hier betrieben. Ein Bild einer Wohnküche ist ausgestellt. Und ein Modell der Burg.
  25. Alles in allem sehr dürftig für das Stammhaus einer derart großen Dynastie. Ganz nett, um eine Pause zu machen, wenn man daran vorbeifährt. Aber eigens mehrere Stunden dorthinzufahren zahlt sich nicht aus.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug zu Victor Hugo und den Habsburgern

  1. Andrea schreibt:

    Ich find deine Reisegeschichten sehr schön

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