Pensées: Ein Ausflug zur Kaiserburg in Nürnberg

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  1. Am nächsten Tag haben wir ein dichtes Museumsprogramm. Eigentlich wollen wir zuerst zum Dürerhaus, aber dann gehen wir ziemlich weit oben, in der Nähe der Burg vorbei. „Am Ölberg“ (ich habe ein Jesusgefühl und bin wie so oft fasziniert, wie christliche Assoziationen sofort selbstverständlich sind) heißt die Straße und gleich dahinter ist die Kaiserburg.
  2. Die Sonne scheint und es ist zehn Uhr und die Burg wird gleich aufsperren, also gehen wir zuerst dorthin.
  3. Das Ticket gilt für die Burg, den Turm und einen Brunnen.
  4. Wir sehen zuerst die Burg an. Knapp unter der Decke des ersten Raumes fährt eine Prozession aus Soldaten, Edelleuten, Kutschen und Tieren der Wand entlang. Sogar ein Elefant ist dabei.
  5. Um die Tür sind Jesus und einige Heilige gemalt. Eine Heilige hat das Habsburgerwappen abgestellt.
  6. Auf einem Relief ist Ludwig der Bayer (1340) auf seinem Adlerthron, die Füße auf löwenähnlichen Monstern, mit beseelten und sehr einfältigen Lächeln dargestellt.
  7. In einer Vitrine steht ein Reichsadlerhumpen, der sollte die Reichstruktur anschaulich darstellen. Beim Biertrinken. Eine angenehme Weise zu lernen.
  8. Bilder von Königsgewändern sind ausgestellt. Ein roter Krönungsmantel ist mit Löwen bedruckt, die Kamele besiegen. Er gehörte Roger von Sizilien, bevor er in den Besitz der Staufer kam. Rote Seidenschühchen und rote Strümpfe gehören auch dazu. Und juwelenbesetzte Handschuhe. Und ein Gugel (das ist eine Kapuze, das Wort Gugelhupf leitet sich auch davon ab).
  9. Die Reichskleinodien wurden 1423 hier verwahrt und mit vier Schlüsseln weggesperrt. Zu den Kleiodien gehörten auch Ketten der Apostel, Partikel des Kreuzes, ein Zahn Johannes‘ des Täufers und ein Span der Krippe.  Reliquienhändler damals müssen sich ziemlich ins Fäustchen gelacht haben, wenn sie solche Dinge verkauft haben.
  10. Ein Bild (auch kein Original) zeigt ein Feuerwerk auf der Burg von 1541 zu Ehren Kaiser Karls. Man sieht Feuer am Himmel und scheuende Pferde im Vordergrund. Feuerwerkskörper aus dem 17. Jahrhundert liegen in einer Vitrine. Sie sehen aus wie umhäkelte Kugeln.
  11. In Vitrinen sind Waffen ausgestellt. Auf einem Plakat steht ein nackter Mann, in dem an verschiedensten Körperstellen Waffen stecken. Es soll eine Anleitung zum Benutzen der Waffen sein.
  12. Bilder von Kriegslagern hängen hinter den Waffen. In einer Vitrine liegt ein Kopfschild für ein Pferd.
  13. Fast keines der Bilder ist ein Original. Das macht mir nichts aus, die Bilder erzählen Dinge über die Burg und das mittelalterliche Leben. Das ist besser als halbleere Räume mit einigen matten Originalen.
  14. Auf seinem Druck „Meerwunder“ hat Dürer die Burg seitenverkehrt dargestellt. Die Meerwunderfrau sieht aus, als hätte sie sich Silikonbrüste machen lassen. Der Meerwundermann trägt ein kleines Hirschgeweih am Kopf, das nicht besonders zu einem Meerwunder zu passen scheint. Leider wird nur die Burg beschrieben, die Symbolik des Bildes aber nicht erklärt.
  15. Eine Ansicht der Stadt von 1493 trägt den Namen Nuremberga. Auch auf Englisch heißt die Stadt Nuremberg und nicht Nürnberg mit N. Ich wundere mich, wie es zu so geringfügigen Lautverschiebungen kommt.
  16. Wir verlassen die Burg und gehen zum Turm. Dort muss man die Eintrittskarte in einen Automaten schieben und nur wenn weniger als 40 Menschen im Turm sind, kommt man durch die Schranke. Wir haben Glück, es haben erst wenige den Turm bestiegen.
  17. Die Aussicht ist sehr schön. Vor jedem Fenster steht eine Tafel mit einem Bild, wie die Stadt 1945 ausgesehen hat. Fast alles war zerstört. Auch in der Stadt kann man Postkarten vom zerstörten Nürnberg kaufen. Ich wundere mich, was das über die Stadt aussagt. Ist es etwas Gutes, weil man sich daran erinnert, wie man die Stadt wieder aufgebaut hat? Schürt es Ressentiments, weil so viel zerstört war? Erinnert es daran, dass Nürnberg eine der wichtigsten Städte des Nazireichs war?
  18. Beim Verlassen des Burgareals sehe ich, dass die Burg auf einem rötlichen Felsen steht. Dieser Felsen – früher Nor genannt – gab der Stadt ihren Namen. Nürnberg heißt Felsenberg.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug zur Kaiserburg in Nürnberg

  1. Usedom schreibt:

    Schöner Artikel

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