Züge

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Auf einem Bahnsteig stehen. Die Schienen führen irgendwo hin. Paarweise. Ins Endlose, denke ich. Wenn ich aber schaue, merke ich, die Schienen verschwinden schnell hinter einer Biegung oder in einem Tunnel. Da ist kein Weitblick, nur Zugluft.

Als ich 8 Jahre alt war, schickte mich meine Mutter zum ersten Mal alleine mit dem Zug von Salzburg nach Kärnten. Der Schaffner sollte auf mich aufpassen. Mir war das alles sehr unheimlich. Lange Zeit fragte ich in jedem Zug, in den ich stieg, ob er auch an den richtigen Ort fahre. Als ob man sich mit einem Zug noch nachträglich verirren könnte.

Einmal habe ich zwischen den Schienen eine Gruppe von Mäusen gesehen, die zwischen weggeworfenen Verpackungen nach Essbarem suchten.

Vor vielen Jahren war ich per Interrail unterwegs. Ich hatte die ganze Nacht im Zug mit ein paar jungen Männern aus England verbracht. Morgens stieg ich in Madrid aus und sagte, ich sei hungrig. Durch das Fenster reichten mir einer der Engländer ein Keks, sein letztes, zum Abschied. Ich ließ es fallen, auf den Bahnsteig. Das war mir so peinlich, dass ich das Keks aufhob und aß. Ich frage mich, bis heute, wie ich das tun konnte. Die Mäuse haben mich an diese Begebenheit erinnert.

Ein Jahr lang lebte mein Mann in Vorarlberg und ich in Wien. Jedes Wochenende machten entweder ich oder er die lange Reise mit dem Zug.

Jetzt fahre ich selten mit dem Zug. Lieber mit dem Auto. Aber diesen Sommer fuhr ich von Brügge nach Antwerpen und nach Oostende und kam an schönen Bahnhöfen an. Das Reisen mit dem Zug ist für mich immer noch seltsam und voller Ungewissheit, nur heute frage ich nicht mehr nach, es ist mir peinlich.

In dieser Schmuckkolumne stelle ich eine einfache Silber-Gold-Kombination. Am Ohrrand abwechselnd silberne Kugeln, goldene Kugeln und Glitzersteine. In den ersten Ohrlöchern nur zwei gleich große Creolen, eine in Gold und eine in Silber durch einen Goldtunnel getragen. Wie zwei Schienen einer Miniaturbahn, die im Kreis führen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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6 Antworten zu Züge

  1. Pia V. schreibt:

    Hallo! Darf ich dir eine dumme Frage stellen? Mir gefällt es super, wenn das ganze Ohr entlang Ohrringe sind. Es gibt ja auch diese Ohrcuffs und Ohrklemmen, die das vortäuschen, und ich hab das auch versucht, aber das sieht imho leider ein bissl cheesy und nicht annähernd so gut aus wie das real Thing (wie auch diese fake plugs). Jetzt überlege ich mir ernst, die notwendigen piercings machen zu lassen – ich hab bisher nur die normalen Ohrtlöcher – aber ich hab mir mein Ohr angeschaut und ich würde allein 17 piercings den rand entlang brauchen. Wenn ich zwei pro Monat machen lasse, würde ich dafür also fast eineinhalb Jahre brauchen. Mir gefällt aber so ein halbfertiges Ohr gar nicht. Hast du Gedanken, wie ich das vermeiden kann? Sieht das mit größeren Abständen zwischen den Piercings und nur der Hälfte oder einem Drittel der Löcher blöd aus? Tipps wären echt super, bitte?

    • Karin Koller schreibt:

      Es gibt PiercerInnen, die 17x in einer Sitzung stechen. Mir wäre das zu heftig. Große Abstände zu machen und dann die Zwischenräume auszufüllen kann ich nicht empfehlen (da müsstest du auch mit einer Piercerin reden). Ich finde, es sieht nicht so gut aus, wenn die Abstände groß sind, mir gefällt es besser, wenn man von unten und oben gleichzeitig anfängt und sich auf die Mitte vorarbeitet, das sieht dann aus, als hätte man den Abstand geplant, finde ich (das ist aber natürlich Geschmacksfrage).

      • Mia schreibt:

        Pia: 17 x in einer Sitzung finde ich auch heavy. Aber 6 Piercings auf einmal ist kein Problem, das hatte ich dreimal. Und wenn du das einmal wöchentlich machst, hast du in 6 Wochen alles geschafft. Du kannst dir auch eine Ohrring-Pistole besorgen und dir einfach selbst jeden Tag ein, zwei Löcher stechen, dann geht’s noch schneller.
        Karin: machst du den Ohrbogen noch fertig oder belässt du es bei dem, was du hast?

      • Pia V. schreibt:

        Ich glaube, du hast recht. Ganz oder gar nicht sind wohl die Alternativen. Wieviele auf einmal wären denn nach deiner Erfahrung nicht zu heftig?

  2. Jonas A schreibt:

    Schöne gesichte über zugfahren. Selbst fahre ich am liebsten Zug, wenn möglich. Besonders habe ich die Nachtzüge durch Deutschland gemocht. Am nacht fühlt man schon immer alle gerauche anders. Der Zug hält in Bahnhöfe, und fährt danach weiter, alles weil du im bett liegst und dich auf der Ziel der Reise freut.
    Auch schöne smuckkomination, wie immer! Einfach die idée, zwei grosse creolen durch den selben Tunnel zu tragen ist interessant.🙂

  3. carina schreibt:

    schöner text. ich finde, bahnhöfe sind sehnsuchtsorte, immer noch, gerade weil sie leicht anachronistisch wirken. symbole des fortschritts von gestern gleichsam. einer guten alten zeit, die es nie gab.

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