Pensées: Ein Ausflug ins Stadtmuseum Nürnberg und ins Dürerhaus

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  1. Auf dem Weg von der Burg kommen wir am Stadtmuseum vorbei, fast hätten wir es übersehen.
  2. Mit dem Lift sollen wir in den obersten Stock fahren, sagt die Frau an der Kasse und dann hinuntergehen. Das machen wir.
  3. Im Museum ist ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, mit Kunsthandwerk aller Art, von Briefpapier bis Steinskulpturen. Einige schöne Sachen sind dabei.
  4. Der Nachteil ist aber, dass viele Menschen wegen der Stände kommen, und den Zugang zu den Ausstellungsstücken noch mehr verstellen.
  5. Im obersten Stock ist ein Stadtmodell ausgestellt. Ich würde gerne mit den Fingern den Straßen entlang fahren, aber das darf man natürlich nicht.
  6. Im Stock darunter hängen Bilder vom Einzug Kaiser Leopolds I. und König Josefs I. und von der Vorbereitung eines Feuerwerks für einen Kaiserbesuch. Nach dreifacher Kniebeuge durften ausgewählte Herren die Hand des Kaisers küssen.
  7. Glasgemälde stellen Allegorien auf die gute Regierung und Gerechtigkeit der Nürnberger Ratsherrenschaft dar (1597), mit vielen religiösen Sprüchen. Auf einem dieser Bilder steht in der Mitte „Politia“ und spritzt Milch aus ihrer nackten Brust. Ein Sinnbild für die Ratsherren eben.
  8. Ein Raum ist alten Berufsgruppen gewidmet. Ein Zirkelschmied ist dabei und ein Drahtzieher und von der Nadelwaldsaat wird erzählt (Zapfensammler züchteten 1368 Bäume zur Aufforstung).
  9. Plakate zeigen lokale Spezialitäten wie Rohe Gniedli oder Saure Zipfel oder Närmbercher Gwerch.
  10. Ein Raum hat eine reichverzierte Decke, mit griechischen Mythen, Jahreszeiten und Kontinenten. Bei Afrika hält ein nacktes hellhäutiges Kind mit Turban ein nacktes dunkelhäutiges Kind an einer Leine.
  11. Im nächsten Raum steht ein schwedischer Löwe aus Holz. Während des Friedensmahls 1649 spritzte dieser Löwe Weiß- und Rotwein vom Balkon des Rathauses auf die Menschen darunter. Nürnberger Ratsherren scheinen verspritzende Getränke besonders zu lieben.
  12. Vom Stadtmuseum gehen wir zum Dürerhaus. Ich erhoffe mir viele Werke von Dürer, werde aber enttäuscht.
  13. Im Ausstellungsraum im Erdgeschoß hängen Gemälde, die andere Künstler von Dürer abgemalt haben. Aus dem 19. und 20. Jahrhundert, von Menschen, die Hirsch und Poppelreuther hießen.
  14. Ich ärgere mich, in Erwartung auf das Dürerhaus, die echten Dürerwerke im Germanischen Nationalmuseum nicht so genau angesehen zu haben.
  15. Im ersten Stock ist der Wohnbereich Dürers. Die Küche ist voll eingerichtet. An die Küche schließt ein Kämmerchen an. Dürer habe es als Abort eingerichtet, weil er aufgrund einer Krankheit nicht jedesmal, wenn er aufs Klo musste, über die Stiegen gehen konnte. Damals war es aber streng verboten, im Haus ein Klo zu haben. Doch weil Dürer schon sehr berühmt war, drückte die Stadtregierung ein Auge zu.
  16. Dürers Klo war das einzige Innenklo Nürnbergs.
  17. Das war auch schon das Interessanteste am Dürerhaus.
  18. Auf Schildern steht in fast jedem Raum, dass man eigentlich nicht weiß, wie er eingerichtet war und wie er genutzt wurde.
  19. In einem Raum steht eine Druckerpresse. Die sieht interessant aus. Sie ist aber eine Nachbildung nach einer Dürerzeichnung und nicht älter als ich. Eine Druckplatte (auch kein Original) ist ausgestellt. Leider wird nicht erklärt, wie sie gemacht wurde. Wenn ich die Platte ansehe, kann ich mir nicht vorstellen, wie der Druck aussehen wird. Auf einer Leine hängt ein Druck von der Platte.
  20. Etwas enttäuscht gehe ich zu St. Sebald. Dort gibt es einige sehr schöne Gemälde und Fresken. Eine Stadtansicht, eine Kreuzigung (bei der ein Gekreuzigter einen Tangaslip trägt), eine Vertreibung aus dem Paradies mit Pfauen und Löwen und Häschen, Heilige, die von Teufeln geritten werden.
  21. Eine unscheinbare Statue übersehe ich fast, nur weil eine Führerin sie erklärt, bemerke ich sie. Es ist der Fürst der Welt, ein Holzmännlein in Kutte, das die Schwurfinger hebt. Hinten, dort wo man nicht hinsehen kann, wenn man nicht ganz genau schaut, ist die Kutte offen und die nackte Rückseite des Mannes wird von Schlangen und Kröten zerfressen. Warum er Fürst der Welt heißt, weiß ich nicht.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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