Simplicity

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Simplicity – ein ziemlich kompliziertes Wort für das Einfache. Oder vielleicht kommt mir das nur im Vergleich zu „einfach“ so vor. Einfach klingt nach einem Fach, einer Schicht, einer Ebene. Kein doppelter Boden, keine Vielschichtigkeit, nur das Eine, das man eben sehen kann, sonst nichts.

Ich lese oft von Menschen, die sich nach der Einfachheit sehnen, in einer „komplexen Welt des Internets und der Globalisierung“ das Simple wiederfinden wollen. Weil sie es heute so viel schwerer haben als die Menschen damals.

In Heimatjournalen wie Servus wird dieses Konzept zelebriert. Es wird eine Idylle vorgespielt, die es nicht gibt und schlimmer noch: die es nie gab.

In jedem Heft (meine Mutter hat es abonniert) wird eine alte Technik vorgestellt. Grundsätzlich finde ich das interessant. Ich möchte wissen, wie man früher Leinen gemacht hat oder Orgeln oder wie man Holz gefällt und mit Schlitten in Tal transportiert hat.

Auf Bilderstrecken werden lachende Flößer gezeigt, die eine alte Tradition für einige Wochenenden im Sommer aufrechterhalten. Kein Wort davon, wie hart die Arbeit für die Flößer vor 100 Jahren war, die ihren Lebensunterhalt mit dieser Arbeit verdienen mussten. Kein Wort davon, wie viel schwerer sie es hatten, wie viel Sorge sie hatten, ob sie genug Holz verkaufen können. Ob sie ihre Familie ernähren können, ob sie die Saison ohne Krankheit und Unfall überstehen werden.

Nein, Servus zeigt uns nur eine Idylle von Menschen, die in unserer Zeit, in der es so viel mehr Menschen leichter haben als damals, hobbymäßig etwas nachspielen, das es in dieser Form nie gab. Und suggeriert, dass damals alles einfacher war, weil es noch keine elektronischen Medien gab. Als ob die irgendetwas schwerer für uns machen würden.

Ich mag Einfachheit – schlichte Formen und Designs, kleine Freuden, eine schöne Landschaft, solche Dinge. Ich mach auch die Einfachheit unserer Zeit, die mein Leben um so vieles leichter macht als jenes meiner Mutter und das meiner Großmutter. Auch wenn diese Einfachheit auf komplexerer Technologie basiert.

Ich mag nicht, wenn mir vorgegaukelt wird, wir hätten es jetzt nicht einfacher als irgendeine Generation vor uns.

Nach der Aural Sculpture https://karinkoller.wordpress.com/2016/12/20/aural-sculpture-reloaded/   Kolumne stelle ich in dieser Schmuckkolumne eine einfache Version vor. Nur ein Ring durch den Tunnel und ein ring am Ohrrand. Sonst nichts. Mere Simplicity (eine wirklich und nicht bloß eine herbeigesehnte). Weil die zur Abwechslung auch mal schön ist.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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9 Antworten zu Simplicity

  1. Maria schreibt:

    sehr elegant, gefällt mir richtig gut.
    Zum Thema Einfachheit: Die muss jede Generation für sich selber definieren und während wir es zwar mit Sicherheit in vielen Dingen einfacher haben als jede Generation zuvor sind andere Herausforderungen neu dazu gekommen. Kurz gesagt, der Vergleich macht einfach keinen Sinn…

    • Alex schreibt:

      Ich glaube, wir hier in Westeuropa hatten es noch nie besser. Das gilt für mich als schwulen Mann – oder Frauen – natürlich vielleicht noch mehr als für Heteromänner. Ich wollte jedenfalls in keiner anderen Epoche lieber leben.

      Ich finde deine Ohrringe sehr hübsch. Wie findest du Ohrtunnel und solche Ringe für Männer?

  2. sci71 schreibt:

    wow……was ein Kontrast zum letzten Beitrag. Aber auch sehr interessant und auch sehr schön anzusehen, Komlipment!

  3. Gabi schreibt:

    Hallo Karin, ich wende mich mit einer Frage an dich. Weisst du irgendwelche Informationsquellen im Web zu Ohrringen, Ohrlöchern im Sinne von how to do und how to wear und where to get? Ich suche schon seit langer Zeit, finde aber nichts serioeses, obwohl es Millionen von Menschen gibt, die sich sicher dafür interessieren würden. Es gibt auch keine Bücher, nichts. Für Tipps wäre ich dir sehr verbunden LG Gabi

  4. Gabi schreibt:

    Hallo Karin, ich habe eine Frage. ich habe mir vor drei Wochen 6 Ohrlöcher stechen lassen, wobei mir gesagt wurde, ich muesse den Erstschmuck mindestens 10 Wochen belassen. Ich finde doch, die Löcher fuehlen sich schon jetzt gut verheit an und wuerde gerne am Samstag bei einer Feier andere Ohrringe tragen. Glaubst du, ich kann den Schmuck dafür trotzdem bereits wechseln? Liebe Gruesse Gabi

    • Karin Koller schreibt:

      Wenn es sich gut anfühlt, kannst du sie sicher wechseln. Sprüh sie die Löcher mit einem Desinfektionsmittel ein. Wenn du schwere Ohrringe anlegst, kann das anfangs etwas schmerzhaft sein. Dann würde ich nach der Feier wieder Stecker nehmen.

  5. Gabi schreibt:

    Danke für die Info! Ich versuche es einfach .)

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