Pensées: Ein Ausflug nach Nancy

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  1. Über das Wochenende fahren wir nach Nancy. Das ist die Hauptstadt Lothringens. Obwohl sie nur etwa 5 Stunden von mir zu Hause entfernt ist, war ich noch nie dort.
  2. Auf dem Weg dorthin fahren wir an der Habsburg vorbei. Eine Habsburg-Lothringen-Reise klingt sehr monarchistisch.
  3. Gedanken über den Tausch dieser Region gegen die Toskana drängen sich auf.
  4. Unser Hotel liegt gleich neben der Place Stanislas und einem großen Park. Vor dem Parkt gibt es Stände, an denen Eis und Limonade und Würstel und Waffeln und Süßigkeiten verkauft werden. An denen hätten wir die Kinder nicht vorbeigebracht. Aber wir sind diesmal alleine unterwegs.
  5. Die Place Stanislas sieht so aus, wie ich mir Dresden vorstelle – weiße Prunkbauten mit Goldblättern verziert, an den Ecken goldene Prunktore. Der Platz wurde im 18. Jahrhundert vom ehemaligen König von Polen, Stanislas, erbaut, nachdem dieser abdankte und als Kompensation Bar und Lothringen erhielt. In der Mitte des Platzes steht seine Statue.
  6. Es ist Mitte März und die Sonne scheint. Die Cafés sind gut besucht, viele Decken werden nicht benutzt.
  7. Hinter dem Platz steht eine Statue von Jeanne d’Arc. Plakate, die ihr Leben beschreiben, sagen nicht, was sie mit Nancy zu tun hat.
  8. In einem Schaufenster sind ein ausgestopftes Krokodil und hinter Glas präparierte Käfer ausgestellt.
  9. Ein Atelier heißt „Idiotopie“. Ich wundere mich, ob das Wort tatsächlich etwas bedeutet und schaue zu Hause nach: Die Lagebeziehung der einzelnen Teile eines Organs zueinander. Ein medizinischer Begriff ist das. Ich wusste nicht, dass man für das ein Wort braucht. Noch dazu so eines, das eher nach Unwissenheit oder Sprache klingt.
  10. Wir gehen weiter zur Porte du Craffe, ein Tor der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Im dazugehörigen Kastell war im 16. Jahrhundert ein Gefängnis. In vielen Kastellen war das bis ins 20. Jahrhundert so. Auch dieses wurde erst 1971 zu einem Teil des Museums.
  11. In das Musée Lorrain gehen wir hinein. Mittelalterliche Steinfiguren sind im ersten Gang aufgestellt.
  12. Bilder der Schlacht von Nancy 1477, bei der Karl der Kühne Lothringen erobern wollte und sein Leben verlor. Wandteppiche. Eine Apothekeneinrichtung mit einem Gefäß, auf dem ein Bub mit dunkler Hautfarbe sitzt und eine Schlange in der Hand hält. Ziemlich durcheinander und eher unmotiviert.
  13. In einem Raum hängen alte Pläne der Stadt. Nancy bestand aus zwei halben Sternen, einem größeren und einem kleineren, die aneinanderstoßen. Auf einem Plan kann ich sogar die Gemüsegärten um die Häuser erkennen.
  14. Ein Wandteppich stellt eine Schlacht inmitten einer Stadt dar. Nackte liegen in den Straßen, Pferde scheuen, Menschen werden zerstückelt, Häuser brennen.
  15. Ein anderer Wandbehang zeigt ein Festbankett. Auf allen Personen sind Namen eingestickt, ich kann sie leider nicht lesen. Beim Bankett wird musiziert. Als Verzierung am Tisch steht eine Statue einer nackten Frau. Einige Männer tragen Pfauenfedern. Zu essen gibt es einen mit roten Adern überzogenen Schweinekopf.
  16. Condamnation de Banquet heißt der Teppich. Die Verurteilung des Banketts. Ich würde gerne mehr darüber wissen und kaufe mir später im Shop ein Buch darüber.
  17. In dem abgedunkelten Raum steht ein Metallglobus mit eingravierten Ländern. So etwas hätte ich auch gerne, mir gefällt die Idee, die Länder ertasten zu können.
  18. Ein Bild stellt eine nächtliches Fest vor den Uffizien in Florenz dar. Es wurde 1741 gemalt. Die Leute tanzen in den Straßen, ein Mann wird mit einem Leiterwagen über den Platz gezogen. An den Häuserfronten entlang sind weiße Pünktchen gemalt, als hätten die Häuser eine Außenbeleuchtung. Was das gewesen sein mag, oder ob das nur künstlerische Phantasie ist, weiß ich nicht.
  19. Ein großer Metallglobus ist auch ausgestellt, von 1616, nach Mercator und Tycho Brahe.
  20. Eine Bilderserie aus 1633 zeigt das Elend des Krieges, Vergewaltigungen von Frauen, Männer, die auf Bäumen aufgehängt sind, ein Kloster, das zerstört wird.
  21. In einem Raum wird einiges über die Geschichte Lothringens erzählt. Auf einem Bild ist König Stanislas mit großen Perlenohrringen dargestellt.
  22. Für den zweiten Teil des Museums müssen wir ins Nachbargebäude gehen. Dort sind Alltagsdinge ausgestellt. Alte Fotos und Bilder von Holzfällern und Bauern. Alte Kammern. Alte Fotos von Dörfern mit ungepflasterten Straßen.
  23. In der Kapelle sind Gräber mit liegenden Steinfiguren. Zu deren Füßen liegen oder sitzen andere Steinfiguren, Löwen, Hunde, eine Klosterschwester. Das ist eine Bestattungsart, die ich so noch nie gesehen habe.
  24. Wir holen unsere Taschen im Haupthaus des Museums. Beim Hinausgehen fällt mir ein Plakat auf: Dort sind Anweisungen bildlich dargestellt, die zeigen sollen, was im Fall eines Terrorangriffs zu tun ist (sich verstecken, andere warnen, die Polizei alarmieren, Lärmquellen ausschalten, die Hände hochhalten, wenn man entdeckt wird). Es ist so traurig, dass solche Plakate notwendig geworden sind.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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