Pensées: Ein Ausflug zum Gardasee

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  1. Zum Geburtstag meiner Mutter fahren wir zum Gardasee. Es ist Anfang April, ich habe ein bisschen Sorge, ob der Frühling wohl rechtzeitig kommen wird und hoffe insgeheim auf einige Stunden, in der die Morgennebel über dem See hängen und ich beobachten kann, wie sie sich wieder auflösen.
  2. Wir fahren über den Brenner. Zu Mittag sind wir in Magreid. Dort ist das Weingut von Alois Lageder, Paradeis nennt er es, und er hat auch wirklich die besten Weine Südtirols. Und einen sehr netten Garten. Das Wetter ist schön und zum ersten Mal im Jahr essen wir im Freien. Nudeln und sonnengetrocknete Tomaten.
  3. In der Weinhandlung arbeitet ein Mann, der ununterbrochen redet, mit mehreren KundInnen, mehrsprachig. Es ist lustig, ihm zuzusehen.
  4. Nur wenige Kilometer von hier liegt der Ort mit dem schönsten Namen:
  5. Rovere della Luna.
  6. Die Eiche des Mondes heißt das, glaube ich.
  7. Als hätte Italo Calvino diesen Ort benannt.
  8. Wir fahren weiter nach Salò. Das Wetter ist schon warm, der Ort noch ein bisschen verschlafen. Wir haben einen schönen Blick auf den See und schlendern an der Uferpromenade entlang.
  9. Dort stehen große Tröge aus Stein, die mit Blumen bepflanzt sind. Die sind etwa eineinhalb Meter hoch. Auf einer Plakette daneben steht: „Ehemalige Tröge zur Aufzucht von Blutegeln.“ Antik seien die und von einer alten Apotheke. Ich stelle mir wimmelnde schwarze Egel zwischen den Pflanzen vor. Und wie unerschütterliche ApothekerInnen in den Trögen fischten, um Egel für ihre PatientInnen herauszufischen.
  10. Zwei Enten überqueren eine Straße genau am Zebrastreifen. Es kommt aber kein Auto. Wir essen das erste Eis der Saison.
  11. Nur ein Schild, das auf ein Museum hinweist, deutet darauf, dass dieser Ort einmal der Sitz Mussolinis war. 1943 bis 1945, die Republik von Salò unter Duldung durch die Nazis.
  12. Wir gehen aber nicht ins Museum.
  13. Es wird langsam Abend und wir fahren nach Gardone, wo unser Hotel ist. Dort waren wir schon vor zwei Jahren. Auf dem Hügel, in der Nähe des Vittoriale degli Italiani, der Villa Gabriele d’Annunzios, schauen wir von einer Kirche aus über den See.
  14. Dann gehen wir eine Pizza essen, in einem touristischen Restaurant, das schon früh öffnet. Die Kinder haben nämlich Hunger.
  15. Am Abend schauen wir uns den Sonnenuntergang am See vom Hotelzimmer aus an. Und ich denke mir wieder, wie schön es wäre, an einem See zu leben. Selbst wenn den halben Winter dort Nebel ist.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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