Pensées: Ein Ausflug um den Gardasee

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  1. Am nächsten Tag planen wir, einmal um den See herumzufahren.
  2. Das Wetter ist leider nicht so schön, wie wir gehofft haben, aber immerhin ist es trocken.
  3. Zuerst fahren wir nach Sirmione. Dort gibt es eine Burg mit den Schwalbenschwanzzinnen der Ghibellinen. Und die Grotten des Catull.
  4. Von der Burg zu den Grotten kommen wir, indem wir dem See entlangspazieren und dann auf einen Hügel steigen. An einer Stelle riecht der See schwefelig, eine Frau sitzt in der Nähe eines mit Steinen eingefassten kleinen Beckens. An einer Stelle dampft es. Vorsichtig tauche ich einen Finger dort in den See. Das Wasser ist wirklich sehr heiß. Hier gibt es heiße Schwefelquellen.
  5. Die Grotten des Catull sind eigentlich die Reste einer riesigen römischen Villa. Die ist über 150m lang. Die Reste des Wandelganges sind deutlich zu erkennen, auch einige Räume. Ein Privathaus sei das gewesen.
  6. Wir spazieren zwischen den alten Gemäuern, ich kann mir trotz Bildern einer Nachbildung nicht vorstellen, wie es in einem so großen Haus gewesen sein mag (es wirkt ganz anders als Schlösser oder modernere Anwesen, in denen ich schon war).
  7. Es beginnt zu regnen. Im kleinen Museum sind Scherben und Wanddekorationen ausgestellt. Dort gehen wir hin, bis es zu regnen aufhört.
  8. Am Weg zurück in die Stadt kommen wir an alten Olivenbäumen vorbei, deren hohle Stämme wir Stelzen aussehen.
  9. Von der Ferne sehen wir eine Frau, die vom Steg aus in den See springt und einen Schwumm macht. Mir ist mit Jacke eher kühl, weil ein Wind weht. Die Frau aber steigt aus dem See und hüllt sich zuerst nicht einmal in ein Handtuch. Ich finde das sehr bewundernswert, könnte aber auch nicht genau erklären, warum.
  10. In der Stadt kaufen wir Gardaseesouvenirs und Brote für das Mittagessen. An der Uferpromenade essen wir die Brote.
  11. Am Parkplatz verkauft ein Mann Cedro. Auf Deutsch heißt die Frucht Zitronatzitrone. Sie war die erste Zitrusfrucht, die in Europa angebaut wurde. Ich habe noch nie von der Frucht gehört und muss sie natürlich probieren.
  12. Es ist eine große gelbe Frucht mit unebenmäßiger Haut. Im Inneren hat sie hellgelbes, fast grünliches Fruchtfleisch und viel weißes Schaleninnenfutter (Mesokarp heißt das, schaue ich später nach). Der Händler sagt, wir müssen das Fruchtfleisch mit dem Weißen zusammen essen.
  13. Das Fruchtfleisch ist extrem sauer, aber das Weiße nimmt schnell das Gefühl, dass sich innerlich durch die Säure alles zusammenzieht. Die Kinder kosten auch und finden das Essen eines Cedro schauerlich schön.
  14. Wir fahren weiter nach Peschiera. Mitten in der Stadt ist ein großes Becken, in dem kleine Boote ankern. Die Brücke dahinter hat nur sehr niedrige Öffnungen, durch die die Boote müssen, um zum See zu gelangen.
  15. Es beginnt zu regnen.
  16. Im Ort gibt es eine Festung, die kann man aber nicht besichtigen. Im ersten Italienischen Unabhängigkeitskrieg (1848, Österreich unter Radetzky gewann gegen Piemont) eroberten die Piemontesen die Festung von den Österreichern.
  17. Wo überall Österreich war, denke ich mir oft, wenn ich verreise. Auch wenn ich viel weiter verreise. Andererseits: Wien ist auch fast 700 Kilometer entfernt von mir zu Hause.
  18. In Bardolino steigen wir wieder aus. Es ist windig und ungemütlich am See geworden. Wir essen trotzdem ein Eis. Schließlich sind wir in Italien.
  19. In Torri del Benaco ist die Scaglierburg mit einem kleinen Museum.  Fischerboote sind dort ausgestellt und Werkzeuge für die Fischerei.  Es gibt auch eine Ausstellung über den 2. Weltkrieg dort. Hauptsächlich mit Uniformen.
  20. Aber der Ausblick von der Burg auf den See ist schön.
  21. Wir fahren weiter nach Malcesine. Den Plan, mit der Seilbahn auf den Monte Baldo zu fahren, geben wir auf. Ich sehe Schnee am Berg.
  22. Stattdessen gehen wir in den Ort. In einem Park sind Poster mit Bildern aus der Region vom Ersten Weltkrieg ausgestellt: Forts, zerstörte Häuser, Soldaten beim Mittagessen, schwer beladene Lasttiere, ein Dampfer am See, Bauern auf einer Alm, Soldaten, die eine Ziege melken.
  23. Ich finde es sehr schön, wenn Geschichte so zugänglich gemacht wird im öffentlichen Raum.
  24. Am Ufer liegt eine seltsame Bronzeskulptur: Vorne Schildkröte, hinten ein nackter Mensch, der auf den Knien kauert. Einige Meter entfernt sitzt ein nackter Bronzemann mit dem Kopf zwischen den Knien einfach so da.
  25. Ich habe keine Ahnung, was diese Kunst aussagen soll. Ich mache mir langsam Sorgen, dass ich nicht nur die Ikonographie der alten Kunst nicht verstehe, sondern auch nicht jene der neuen.
  26. An einem Haus hängt eine Plakette: „Hinc JWGoethe … arcem delineavit“. Goethe habe hier die Burg gemalt lese ich mangels ausreichender Lateinkenntnisse später.
  27. Zum Abendessen fahren wir nach Riva. Auf der Piazza mit Blick auf den See. Zum Draußensitzen ist es zu kühl, aber das Lokal hat Glasscheiben. Es gibt Pizza und Pasta.
  28. Dann fahren wir zurück nach Gardone. Wir haben den See einmal umrundet.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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