Pensées: Ein Ausflug nach Brescia

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  1. Am nächsten Tag fahren wir nach Brescia. Wir parken neben dem Burghügel und kommen dann drauf, dass wir durch einen ziemlich langen Tunnel in die Stadt gehen müssen.
  2. Als ich jung war, dachte ich, Brescia wäre eine der hässlichsten Städte Italiens. Ich weiß nicht genau, warum. Wahrscheinlich habe ich mir etwas, das meine Italienischlehrerin sagte, falsch gemerkt. Und mich nie wieder damit beschäftigt.
  3. Mit Erstaunen erfahre ich, dass halb Brescia Weltkulturerbe ist.
  4. Brescia hieß in der Antike Brixia und in Südtirol wird es manchmal immer noch Welsch-Brixen genannt. Auch die Verbindung zwischen den Städten hätte ich nie hergestellt.
  5. Wir gehen durch eine Straße mit dichten Häuserreihen, Plötzlich stehen wir vor römischen Säulen.
  6. Das war das Kapitol und das romanische Forum von Brescia. Die Säulen sind rötlich und weiß. Der rote Teil ist noch original, der weiße ist nachgebaut. Es sieht seltsam aus, andererseits ist es ja auch Flickwerk und eindrucksvoller als ein paar lose Steinbrocken am Boden ist es auf jeden Fall.
  7. Im Museum wir ein Film gezeigt, in dem die römische Stadt Brixia nachgebildet ist, mit Prachtstraße zur Einfahrt, Häusern, einem Platz, dem Forum.
  8. Es wird auch gezeigt, wie sich das Haus, in dem wir stehen, im Lauf der Jahrhunderte veränderte, wie es ausgebaut, vergrößert wurde. Wie es verfiel.
  9. Früher erschien es mir undenkbar, wie so schöne römische Bauwerke und Straßen einfach verfallen konnten, so sehr verfallen, dass sie am Ende von einem Haufen Erde bedeckt waren. Ich habe mir aber damals auch nie überlegt, wie aufwändig und teuer die Instandhaltung von Bauwerken ist.
  10. Ein Raum des Museums ist voll mit Steinplaketten. So viele auf einmal sehen aus wie das Anschlagbord in einer Uni oder einem Supermarkt. Nur eben aus Stein. Und viel größer.
  11. Wir gehen weiter zum Palazzo Martinengo.
  12. Das erste Kunstwerk, das ich in diesem Museum sehe, ist eine Steinskulptur einer gekreuzigten Frau. Nacktbrüstig.
  13. Ich habe so etwas noch nie gesehen und denke, das sei moderne Kunst und atheistisch-feministisch-blasphemisch. Es ist aber eine Kreuzigung der heiligen Julia aus dem 17. Jahrhundert.
  14. Im 5. Jahrhundert sei sie auf Korsika gekreuzigt worden.
  15. Viele Steinfresken sind ausgestellt. Darunter eine Schlacht der Amazonen. Alle Amazonen haben zwei Brüste, eine davon aber jeweils entblößt. Sie sehen nicht aus, als würden sie gegen die Männer gewinnen.
  16. Im Museum ist eine Kapelle mit vielen Fresken. Szenen aus dem Leben von Jesus und der Heiligen Giulia. Auch hier eine Gekreuzigte, diesmal aber vollständig bekleidet. Vor der Kreuzigung wird Giulia an den Haaren an einen Baum aufgehängt.
  17. Das Desiderius-Kreuz ist in der Kapelle ausgestellt. Es ist ein Kreuz aus dem 8. Jahrhundert, das über und über mit Edelsteinen besetzt ist. Manche von ihnen sind antik, aus anderen Schmuckstücken entnommen.
  18. Ein anderer Teil des Museums ist ein römisches Haus, in dem man herumgehen kann. Jeder Raum ist beschrieben. Schöne Bodenmosaike sind erhalten. Eines von ihnen ist voller Swastika.
  19. Eine zweite Kapelle ist voll mit Fresken aus dem Leben von Jesus. Auf einer Säule ist ein schwarzgekleideter Mönch mit einem schwarzen Drachen, der ihn ansieht wie ein treues Hündchen.
  20. In einer Kreuzigungsszene spritzt Jesus Blut aus der Seite und ein Engel fängt es in einem goldenen Kelch auf.
  21. In einem anderen Raum ist ein heiliger Georg mit einem schönen grünen Drachen dargestellt.
  22. Ein Bild aus dem 16. Jahrhundert zeigt eine unbefleckte Empfängnis mit Gottvater. Ich finde nicht nur die Darstellung Gottes seltsam, sondern auch die Schlange mit Frauenkopf, die sich am Boden windet.
  23. Eine Wand ist mit Figuren aus Obst und Gemüse, den Jahreszeiten gemäß, ausgestattet. Die Bilder stammen aber nicht von Archimboldo sondern von Antonio Rasio, der 100 Jahre nach Archimboldo lebte.
  24. In Brescia gäbe es noch viel zu sehen, aber mehr als zwei Museen wollen wir den Kindern nicht zumuten.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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