Pensées: Ein Ausflug nach Karlsruhe

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  1. Wir machen einen Kurzurlaub in Luxemburg. Der Weg dorthin ist selbst von Vorarlberg weit und deshalb machen wir einen Zwischenstopp in Karlsruhe.
  2. Karlsruhe ist auch nicht so nahe, wie ich gehofft habe, wir kommen erst zu Mittag an.
  3. In einem Park in der Nähe des Schlosses essen wir unsere Mittagsbrote. In diesem Park stehen auf einer Lichtung kleine Wildschweine aus Holz, mit dünnen Stöckchenbeinen. Kinder können darauf sitzen. Meine Kinder stellen sich darauf, balancieren drauf auf einem Bein.
  4. Mit Wurstbroten in der Hand.
  5. Das Bundesverfassungsgericht ist in der Nähe, ein nüchterner aber schöner moderner Bau. Aber viel kleiner, als ich mir vorgestellt habe. Wahrscheinlich habe ich mir nicht allzuviel vorgestellt, außer, dass die Deutsche Verfassung irgendwie groß ist, oder zumindest große Gebäude zu deren ordnungsgemäßer Bewahrung braucht.
  6. Einige Schritte hinter dem Gericht ist das Schloss.
  7. Im Schloss ist das Badische Landesmuseum. Dort gehen wir hinein.
  8. In der Abteilung für frühe Geschichte sind viele Exponate, die gar nichts mit Baden zu tun haben, die aber in Europa nicht so oft zu sehen sind. Ein 3000 Jahre altes Gießgefäß aus dem Iran fällt mir auf: Es ist ein Tongefäß in Form eines Hirsches, der einen Goldreif im Ohr trägt.
  9. Ein griechisches Stadthaus ist beschrieben. Dort wurde das Andron (Männerraum) zu Symposien (Trinkgelage) genutzt. Das Leben im antiken Griechenland ist hier auch für Kinder ganz nett aufbereitet.
  10. Auf einem Mosaik ist ein Elefant zu sehen. Er trägt Fesseln mit Stricken an den Füßen. Vier Männer stehen in einem Boot (das nicht groß genug aussieht, als könnte man einen Elefanten darauf verladen) und versuchen ihn mit einem dieser Stricke ins Boot zu ziehen. Draußen am Ufer stehen weitere vier Männer, die in die andere Richtung ziehen (wahrscheinlich helfen sie aber nur beim Verladen). Das Mosaik ist römisch und stammt aus dem 3.-4. Jahrhundert n. Chr. Gefunden wurde es aber 1889 auf einem brasilianischen Gut. In der Römerzeit wurden offenbar oft Elefanten für Zirkusspiele aus Afrika verschifft.  Und später die Mosaike, die das darstellten, um die ganze Welt.
  11. Eine Tunika ist mit Löwenkämpfern bestickt.
  12. Die Nachbildung der Tabula Peutigeriana, der römischen Straßenkarte ist ausgestellt. Der Ausschnitt zeigt Straßburg und die Vogesen. Ich erkenne nichts. Ich komme mit Karten, die nicht klassisch genordet sind und mir gewohnte Umrisse zeigen, nicht zurecht.
  13. Weiter geht es ins Mittelalter: Werkzeuge für Malereien werden gezeigt, die Latrinenwirtschaft wird beschrieben (mit Bild eines sich an einer Hauswand Erleichternden, dem zwei Frauen vom ersten Stock aus zusehen).
  14. Im Mittelalter wurden auch häufig Gewürze gefälscht: Safran – Rotholzspäne mit Kurkuma und Paprika. Muskatnuss – geriebene Muskatnuss wurde mit Sägespänen versetzt, in Straßburg durften deshalb nur ganze Muskatnüsse verkauft werden. Pfeffer – die Pfefferkörner wurden mit getrockneten Heidelbeeren vermischt.
  15. Unter einer Holzstatue von Maria mit Kind steht, dass das Motiv der stillenden Mutter Galaktotrophousa heißt und erstmals in Darstellungen auftaucht, in der Isis den Horusknaben stillt.
  16. Weiter in der Geschichte, im 17. Jahrhundert taucht ein Erdglobus von Jean Blaeu auf. Kabinettschränke. Ein Tödlein mit Köcher.
  17. Im Thronsaal sind die Insignien der badischen Großherzöge ausgestellt. Im nächsten Raum alte Roben. Ein Raum widmet sich der Rekonstruktion einer Wunderkammer.
  18. Ein Raum zeigt die „Türkenbeute“, also Beutestücke aus den Türkenkriegen von 16. Bis zum 18. Jahrhundert. Ich finde es seltsam, dass der Name so beibehalten wurde.
  19. Ein vornehmes Picknick aus dem 11. Jahrhundert in Usbekistan wird in einer vergrößerten Miniatur gezeigt. Mit Getränken und Süßigkeiten und Musikanten. Prächtige Rüstungen, Pferdeschmuck, Kleidung, Schuhe, Essutensilien sind ausgestellt. Auch ein Bild von Markgraf Ludwig Wilhelm in türkischer Tracht, Anfang des 17. Jahrhunderts.
  20. Verschiedene Räume aus verschiedenen Zeiten sind eingerichtet. Einer davon ist ein Kaufmannsladen. Mit Schubladen für Mehl und Reis und Körner und Kaffee, Stärke, Leim oder Fettlaugenmehl. Mit Zuckerhüten, mit Stoffen und Strohschuhen und Spielzeug und Kochlöffeln. Mit Fässchen voll Wein und Gläsern voll Süßigkeiten. Mit Papiertüten, in die man Dinge füllen kann. Mit Pigmenten und Knöpfen und Kerzenleuchtern. Ich könnte stundenlang schauen und all die Kleinigkeiten, die es zu verkaufen gab, entdecken.
  21. Die Aussicht von einem Balkon des Museums ist auch sehr schön. Man kann gut erkennen, dass die Stadt nicht gewachsen, sondern geplant wurde. Der Legende habe der Markgraf Karl Wilhelm bei einem Jagdausflug hier gut geschlafen und wollte deshalb hier ein Schloss bauen. Daher der Name. Auch ein Modell der Stadt zeigt deren Fächerform.
  22. Im Schlossgarten essen wir noch ein Eis, dann fahren wir weiter nach Luxemburg.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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