Pensées: Ein Ausflug nach Luxemburg

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  1. Am nächsten Tag fahren wir nach Luxemburg. In die Stadt.
  2. In der Nähe der Parkgarage hat Lea Linster ein kleines Geschäft. Wir kaufen Madeleines. Ich erwarte mit beim Essen von Madeleines immer einen Proust-Moment. Der kommt natürlich nie. Jede hat ihre eigenen Proust-Momente, ganz unabhängig von Madeleines. Aber schmecken tun sie gut.
  3. Gestärkt gehen wir in Richtung Kasematten. Ich hatte vorher überhaupt keine Ahnung, was eine Kasematte sein könnte. Ich hätte eher an etwas zu Essen gedacht oder ein Sportgerät.
  4. Ja, ich habe peinliche Bildungslücken.
  5. Kasematten sind Befestigungsgemäuer, aus denen geschossen wurde. Man weiß offenbar nicht, woher der Begriff stammt. Aus dem Italienischen Casa Matta (verrücktes oder falsches oder vielleicht dunkles Haus) oder aus dem Spanischen Casa und matar (ein Haus, in dem getötet wird) oder aus dem Arabischen Kasbah (Festung).
  6. Wie auch immer, die Kasematten von Luxemburg sind große behauene Felsen. Man könnte sie auch begehen, aber das machen wir nicht. Stattdessen gehen wir einem Stadtwanderweg, dem Wenzelsweg, entlang.
  7. Die Aussicht von den Kasematten aus ist sehr schön. Am Fuße der Felsen sind Beete, umgeackert, aber noch nicht bestellt. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es diese Terrassengärten, steht auf einem Schild.
  8. Von den Kasematten führt der Weg zur Wenzelsmauer. Die wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt und später ausgebaut.
  9. Über Stiegen kommen wir auf die Mauer und gehen dort in einem kleinen Gang, schon ein Stückchen abseits der Altstadt. Das ist ein ruhiger Spazierweg im Grünen. Tafeln stehen am Rand, die etwas über die Geschichte der Mauer, die Geschichte Wenzels und über das Mittelalter erzählen.
  10. Der Weg führt in die Stadt zurück. Ein Museum zeigt die Ausstellung „Orchideen, Kakao, Kolibris“ über Luxemburger Naturforscher. Die würde mich interessieren, aber wir wollen weiter zur Villa Vauban.
  11. Um dorthin zu gelangen, gehen wir durch die Shoppingmeile. Ein H&M ist dort und natürlich ist der für die Mädchen wichtiger als alle Museen. Einen Waffelstand gibt es auch unterwegs, mit knusprigen belgischen Waffeln und einem Gupf Schlagobers und Schokosauce. Die meisten von uns schaffen die ohne große Katastrophen, und Katharina hat ja zum Glück ein T-Shirt bei H&M gekauft. Proaktiv.
  12. Die Villa Vauban liegt in einem schönen ruhigen Garten. Eine Ausstellung über die 5 Sinne wird gezeigt. Lauter Bilder, die etwas mit den Sinnen zu tun haben. Ich mag solche Themenausstellungen sehr.
  13. Die Sinne wurden gerne mit nacktbrüstigen Frauen dargestellt. Andererseits: Fast alles wurde früher in der Kunst mit Frauen dargestellt, denen die Brüste aus den Blusen und Gewändern gerutscht sind.
  14. Sinnlichkeit wird in den gezeigten Bildern auch gerne mit lüstern geifernden Männern, die unwillig dreinschauenden Frauen auf die Brust greifen, dargestellt.
  15. Eine Bilderserie zeigt Geruch mit einem nacktärschigen Furzer und Geschmack mit einem Mann, der sich übergibt.
  16. Ein Bild aus dem 16. Jahrhundert stellt alle fünf Sinne dar: Ein Mann spielt Harfe (hören), ein Mann gibt einer Frau eine Rose (riechen), auf dem Tisch liegt Essen (schmecken). Wo genau sehen und spüren ist, weiß ich nicht. Eine Frau steckt sich einen Ohrring an, sieht sie sich im Spiegel? Eine Frau hat einen Papagei auf dem Arm, ihr ist die Brust ohne erfindlichen Grund aus dem Kleid gerutscht. Das merkt hier niemand oder findet niemand komisch. Stellt es Spüren dar?
  17. Wir gehen zurück in die Stadt und sehen und das Stadtmuseum Luxemburg an.
  18. Es befindet sich in einem Bau, der seltsam spießig aussieht, aber gleichzeitig mit einer modernen Glaswand versehen ist.
  19. Das Museum selbst ist wieder ein Kramuri. Alte Karten von Luxemburg. Ausstellungstücke zum Leben in alter Zeit. Moderne Kunst.
  20. Ein Raum zeigt Begriffe aus Lëtzebuergesch. Kollabunz ist ein Purzelbaum. Die Sprache erinnert mich ein bisschen an Zimbrisch. Sie sei aber eine moselfränkische Sprachvarietät.
  21. Ein Gedicht steht auch an der Wand: Der jomer set en aner, begraif di droleg Zonneft, Reljon hun s’iwärenz, a net en Batz Vernonneft.
  22. Das Fahrrad von Charly Gaul ist ausgestellt.
  23. Viele Plakate hängen an den Wänden. Werbeplakate, touristische Plakate, Propagandaplakate, politische Plakate.
  24. Zeitungsseiten und Verlautbarungen hängen hinter Glas. Eine davon zum Thema Kaldaunenwäscher (triperies).
  25. Wenig wird erklärt, was ich schade finde. Mir fehlt auch der rote Faden, die Geschichte, die ich mitnehmen kann.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug nach Luxemburg

  1. Lucy schreibt:

    Was bedeutet Kramuri?

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