Pensées: Ein Ausflug nach Trier

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  1. Auf dem Rückweg von Luxemburg fahren wir nach Trier.
  2. Trier ist ganz in der Nähe von Vianden, wir brauchen nicht besonders lange dorthin.
  3. Wir parken in der Nähe der Konstantin-Basilika, ein großer Klotz aus Backsteinen.  An deren Rückseite klebt ein zuckertörtchenrosa Palais mit weißer Stuckatur. Sehr Barock, sehr seltsam im Kontrast.
  4. Durch eine große Parkanlage kommen wir zu römischen Thermen. Ein einzelner Steinfuß steht vor dem Museumseingang. Jemand hat etwas Blaues auf ihn gesprüht.
  5. Ins Museum gehen wir nicht, sondern wir wollen weiter zum Amphitheater.
  6. Dafür entfernen wir uns von der Innenstadt und kurz denke ich, wir haben uns verlaufen. Aber dann finden wir doch den Eingang.
  7. Ein kreisförmiger Platz ist von einer Anhöhe umgeben. Unter dieser sind Gänge, die man betreten kann. Hier warteten Gladiatoren und Tiere auf ihren Auftritt. Die Gänge sind klamm und feucht.
  8. Aber außen auf die Tribünen zu gehen ist bei diesem schönen Wetter nett. Die Kinder laufen durch irgendwelche Gänge und verschwinden auf der anderen Seite des Hügels. Ich versuche meine Panik zu unterdrücken, dass ich sie aus den Augen verloren habe. Schließlich ist hier ein relativ überschaubarer Ort und sie sind keine Kleinkinder mehr. Aber ich habe seit Jahren Alpträume, dass ich die Kinder auf Reisen verliere. Ich weiß auch nicht warum.
  9. Auf einer Tafel ist die römische Stadt Augusta Teverorum, die Trier einmal war, aufgezeichnet. Das Amphitheater etwas außerhalb. Die Innenstadt auf dem Reißbrett geplant, bestehend aus lauter Quadraten, mit Plätzen, Märkten und Tempeln.
  10. Nachdem wir die Kinder einsammeln, gehen wir wieder zurück in die Stadt. Die sieht sehr putzig aus. Mit Fachwerkhäusern und bemalten Fassaden. Das Dreikönighaus stammt aus 1230 und sieht aus wie neu. Viele Häuser sind mit Statuen geschmückt, die Apotheke sogar mit einem goldenen Löwen. Alles sieht neu renoviert aus.
  11. Die lokale Zeitung heißt Trierischer Volksfreund. Das klingt seltsam in meinen Ohren. Der Name ist aber vermutlich eine Anspielung auf L’Ami de Peuple der Revolutionszeitung von Marat. In der Nazizeit war der Trierische Volksfreund verboten. So kann man sich täuschen.
  12. Wir essen eine Kleinigkeit auf dem Hauptmarkt und gehen weiter zur Porta Nigra.
  13. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine Legoskulptur aus beigem Ökomaterial, das nicht nur verfallen, sondern auch verwest ist, mit schwarzem Schimmel überzogen.
  14. Aber diese Schilderung tut dem Tor unrecht. Es sieht schon beeindruckend und erhaben aus. Es steht auch schon seit fast 2000 Jahren an dieser Stelle.
  15. Wir müssen Eintritt zahlen und dann können wir das Tor betreten. Auf zwei Stockwerken sind Räume und Gänge. An den Wänden sind Reliefs von Päpsten und Heiligen. An anderen Wänden sind Namen eingeritzt – Emre + Julia, oder Silvia. Vandalismus eben. Aber ist es nicht auch Vandalismus, Päpste in ein römisches Tor zu hängen? Oder ist es einfach eine Neunutzung? Weil es teure Steinarbeiten sind und nicht nur gedankenloses Gekritzel?
  16. Auf einem Tisch ist ein Modell der Stadt, oder besser ihrer Prunkbauten zur Römerzeit aufgebaut. Ganz in Weiß. Die Porta Nigra sieht recht klein aus im Vergleich. Weil das Modell weiß ist und keine Wohnhäuser zeigt, kann ich mir nicht viel vorstellen.
  17. Die Aussicht auf die Stadt von hier aus ist sehr schön.
  18. Ich sehe den Dom und dort gehen wir auch als nächstes hin.
  19. Der Dom sieht aus wie eine mittelalterliche Festung. Er stammt aus dem dritten Jahrhundert. Er sei ein „einzigartiges Zeugnis abendländischer Geschichte und Kultur“ steht auf einem Schild.
  20. In seinem Inneren hängt eine Orgel wie ein Wespennest. Schwalbennestorgel nennt man das, lese ich später in Wikipedia und dass die Orgel von 1974 ist.
  21. Eine Kuppel hat einen blauen Hintergrund, auf den weiße Figuren eingearbeitet sind wie auf einer Gemme.
  22. Auf einem Altar tummeln sich mindestens 20 Steinfiguren. Ein anderer Altar sieht aus wie eine Grotte und nackte Engelchen ziehen dort einen Vorhang auf. In einer Vitrine mit goldenen Stäben liegt der Heilige Rock. Ich denke, das sind die Gebeine eines Heiligen, der Rock heißt. Zu Hause schaue ich aber nach: Es soll aber das Untergewand Christi sein, also wirklich ein Hemd. Für eine Reliquie also eher weniger makaber.  Ein Steinrelief mit Adam und Eva und einer schwarzen Schlange, die sich um einen Baum wickelt, während ein Hirsch friedlich daneben liegt, sieht sehr alt aus.
  23. Im Dom finden sich die verschiedensten Stilrichtungen und Epochen. Aber auf eine schöne Art, nicht zusammengekleckert.
  24. Bevor wir fahren, schauen wir uns noch die Konstantinbasilika an. Die ist jetzt eine evangelische Kirche und dementsprechend schmucklos im Inneren. Das sieht auch erhaben aus. Aber ich sehe mir lieber die katholischen Engel und Teufel an.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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