Punk und Loden

IMG_1580

Punk war für mich als Kind eine Sicherheitsnadel durchs Ohr. Oder durch die Backe.

Ich wuchs in einem bürgerlichen Haushalt in Salzburg auf, meine Mutter war die Haushälterin. Loden war dort das Erstrebenswerte. Punk der Feind. Aber nicht einmal aufgrund der politischen Aussagen, sondern hauptsächlich aufgrund des Aussehens.

Was gleich aussah – Loden, Perlenketten, Faltenröcke, Federhüte, (eher grenzwertig, nur wenn der gängigen Mode entsprechend) – wurde akzeptiert. Was anders aussah wurde als anstoßend und minderwertig empfunden.

Die Menschen, bei denen wir lebten, gehörten der Gesellschaft an, sie waren das, was man heute als „Opinion Leader“ bezeichnet. Ich dachte damals, sie gehörten zu einer intellektuellen Elite und jeder Punk sei dumm. Ich verstand nicht, wie oberflächlich diese Menschen waren und wie wenig sie in manchen Bereichen verstanden.

Ich musste vieles erst lernen, als ich von zu Hause auszog. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schmuckkolumne | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Pensées: Ein Ausflug zum Kronplatz

IMG_3402

  1. Am nächsten Tag ist das Wetter endlich schön genug für die Berge.
  2. Eigentlich wollten wir in diesem Kurzurlaub einen Tag lang auf den Kronplatz und einen Tag lang zu den Sextener Dolomiten.
  3. Jetzt müssen wir eben beides an einem Tag machen.
  4. Der Kronplatz heißt so, weil dort der ladinischen Fanes-Sage nach die Königin des Fanesreichs gekrönt wurde. Im Fanesreich gibt es aggressive Männer, die sich mit Adlern verbinden, und friedliche Frauen, die mit Murmeltieren verbunden sind. Dolasilla ist die Königin des Fanesreichs und tapfere Kriegerin. Es wurde ihr geweissagt, sie würde ihre Kampfkraft verlieren, sobald sie heiratete. Ihre Widersacher sind der Zauberer Spina de Mul und der Held Ey de Net (was für Namen!). In der entscheidenden Schlacht kommt Dolasilla in Bedrängnis und wird von den Murmeltieren gerettet. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Pensées | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Interferenz reloaded

IMG_9703

Interferenzmuster, in Physikbüchern als aufeinandertreffende Schlangenlinien dargestellt. Nicht gerade aufregend. Interessanter sind schon die Interferenzen von Kreiswellen, die kaleidoskopartige Muster ergeben. Wie können einfache Wellen so verschiedene Muster ergeben? Liegt es an der mathematischen Darstellung? Liegt es an der Art der Wellen? Was sind Wellen überhaupt? Fragen, die ich halbherzig versucht habe zu ergründen, deren Beantwortung sich mir nicht erschlossen hat.

Interferenzen machen nicht nur schematische Muster, sie haben auch wirklich alltäglich beobachtbare Effekte: der Regenbogen in einer Ölpfütze, die Farben einer Seifenblase, das Schillern eines Tropenvogels. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schmuckkolumne | Verschlagwortet mit , , | 7 Kommentare

Pensées: ein Ausflug nach Bozen und zum Antholzer See

IMG_3387

  1. Nach der Franzensfeste fahren wir nach Bozen, weil dort das Wetter gut angesagt ist. Da bin ich schon sehr oft vorbeigefahren, aber nie ausgestiegen. Bozen stellte ich mir auch immer bieder und uninteressant vor.
  2. Der Hauptplatz, die Piazza Walther, ist ausladend, tatsächlich scheint die Sonne. Eine Statue von Walther von der Vogelweide steht in der Mitte. Hinter dem Platz beginnen die Arkaden mit Geschäften. Dort setzen wir uns in ein Gasthaus und essen Nudeln zu Mittag.
  3. Wie selbstverständlich wechseln die Menschen im Gasthaus zwischen Deutsch und Italienisch. Bozen ist zu einer Region geworden, in der die Zweisprachigkeit überall ist und ganz normal geworden ist. Die Menschen, denen ich zuhöre, denken nicht nach, welche Sprache sie sprechen. Bei mir zu Hause in Kärnten denkt man ständig darüber nach, ob die andere Sprache „schlecht“ sein könnte und vergisst darüber, sie zu lernen. Oder man fürchtet, mit etwas Schlechtem kontaminiert zu werden, wenn man Slowenisch lernt. Es ist so absurd, es ist auch so schön, hier in Südtirol das Gegenteil zu sehen. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Pensées | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Herbst

IMG_1277.jpg

Herbst. Die Spinnweben in den Sträuchern. Die Regentage. Der Nebel, wie er morgens sich als zarter Schleier aus Bächen und Tümpeln erhebt, wie er nach und nach zur zähen Suppe wird, der man nur durch eine Fahrt in die Höhe entfliehen kann (so man denn Zeit hat). Die kürzer werdenden Tage. Aber auch im Dunklen losfahren und im Dunkeln heimkommen. Es gibt dieses kurze Zeitfenster, wenn ich bei der Fahrt zur Arbeit den Sonnenaufgang sehe und bei der Heimfahrt den Sonnenuntergang. Die Blätter, die sich verfärben in allen Gelb- und Rot- und Brauntönen. Überhaupt sind die Farben viel weicher als im Sommer. Beim Spazieren denke ich mir oft, wie sie beruhigen. Die Luft ist klarer.

Manchmal mag ich den Herbst sehr. Dann wieder hätte ich lieber mehr Wärme und mehr Licht. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schmuckkolumne | Verschlagwortet mit , , | 9 Kommentare

Pensées: Ein Ausflug zur Franzensfeste

IMG_3349

  1. Das Wetter ist immer noch schlecht, wir können nicht wandern gehen, deshalb fahren wir zur Franzensfeste.
  2. Ich erwarte mir nicht viel: irgendeine Burg in irgendeiner Südtiroler Provinz.
  3. Besser als in den Regen starren, denke ich mir.
  4. Die Frau an der Kasse sagt hinter vorgehaltener Hand, heute käme noch das Filmteam, Nazis und so, wir sollen uns Zeit lassen.
  5. Die Kinder werden aufgeregt, aber bisher sind nur einige Cateringwagen zu sehen.
  6. Auf dem ersten Schild im Museum steht, man sagte 1838 von der damals neuen Franzensfeste: „Wie ein Löwe trotzend und doch malerisch schön.“ Dort steht auch, die Festung sei wie eine Kathedrale in der Wüste, sie war kaum gebaut und schon überholt, und man wolle die Ängste ergründen, die zu ihrem Bau geführt haben.
  7. Die Ausstellung, die wir ansehen werden, gibt es erst seit 2012. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Pensées | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Zusammenhalt

IMG_4744

Vor einigen Jahren war ich in Südtirol auf einem Markt, an dem Handwerker ihre Kunst vorstellten. Ein Herrgottschnitzer war da, der innerhalb von kürzester Zeit aus einem Baum einen Jesus heraushackte. Drechsler, die Tischbeine drehten. Metallarbeiter, die schmiedeeiserne Verzierungen aus glühenden Stäben hieben.

Und ein Fassbinder. Der steckte Bretter in Eisenringe und zündete ein Feuer in der Mitte an, so dass es nicht zu stark brannte, aber auch nicht ausging. Diese genau richtige Hitze dehnte und bog die Bretter so, dass sie genau in die Ringe passten und zusätzlich auch noch so dicht waren, dass man eine Flüssigkeit einfüllen konnte.

Niemals vorher hatte ich mir überlegt, wie ein Fass gemacht wird. Wie die Bretter gebogen wurden. Wie es denn möglich war, aus nebeneinanderliegenden Holzbrettern ein dichtes Gefäß zu machen. Ein Fass war ja nichts Besonderes, dachte ich, Fässer gab es doch schon seit hunderten Jahren, aber es ist besonders und wundersam. Und warum man überhaupt auf die Idee kam, Holzfässer zu fertigen, anstatt Tonkrüge zu verwenden, ist mir immer noch schleierhaft. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schmuckkolumne | Verschlagwortet mit , | 13 Kommentare