Haar

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Langes Haar. Wie es über die Schultern fällt. Wie es im Wind weht. Wie es glänzt. Wie es sich um den Finger kringeln lässt. Wie es sich anfühlt, wenn es die Wangen, den Hals berührt.

Ich hatte einmal langes Haar. Vor langer Zeit. Schönes dichtes Haar.

Aber auch schweres Haar. So schwer, dass ich sie nie offen tragen konnte. Sie hingen einfach herab wie schwere Vorhänge.

Lockenwickler hätte ich nie verwendet. Das war für mich immer der Inbegriff der Biederkeit – Frauen, die den ganzen Tag mit Wicklern und einem Chiffon- (oder war es Kunststoff?) Tuch auf dem Kopf herumliefen, um für eine einzige Stunde am Abend etwas Fülle ins Haar zu bekommen.

Also lief ich immer mit einem Band im Haar herum. Was auch nicht weniger bieder aussah.

Dann beschloss ich, mir die Haare abschneiden zu lassen, und habe es nie bereut.

Aber manchmal, ganz selten, vermisse ich das Gefühl, mir die Haare über die Schultern werfen zu können. Aus Neckischkeit oder auch im Zorn. Denn manchmal wäre es schön, mit den Haaren einen Punkt zu untermalen. Weiterlesen

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Pensées: Ein Ausflug nach Dada

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  1. Wir fahren nach Zürich, im Nationalmuseum ist eine Dada-Ausstellung.
  2. Obwohl ich schon oft Zürich war, bin ich noch nie in diesem Museum gewesen. Museen haben mich früher nicht interessiert, heute kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen.
  3. Zur Einstimmung für den Besuch habe ich das Buch Dada von Friedrich Glauser bekommen. Vor langer Zeit habe ich die Krimis mit Wachtmeister Studer gelesen, erinnere mich aber nicht mehr genau.
  4. Im Buch beschreibt Glauser sein Leben, seine Freundschaft mit Tristan Tzara und anderen Dada-KünstlerInnen, seiner Morphiumsucht.
  5. Dort steht auch: „Erst wenn man versucht, vor fremden Augen Menschen lebendig zu machen, die man gekannt hat, merkt man, wie schwierig das ist. Wenn man sie wahrheitsgetreu schildern will, merkt man, dass dieses „wahrheitsgetreu“ nur eine Illusion mehr ist. Die Menschen, die ich wie sonderbare Insekten mit Hilfe spitzer Worte aufs Papier spieße, können sich gegen diese Behandlung nicht wehren.“ Weiterlesen
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Simplicity

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Simplicity – ein ziemlich kompliziertes Wort für das Einfache. Oder vielleicht kommt mir das nur im Vergleich zu „einfach“ so vor. Einfach klingt nach einem Fach, einer Schicht, einer Ebene. Kein doppelter Boden, keine Vielschichtigkeit, nur das Eine, das man eben sehen kann, sonst nichts.

Ich lese oft von Menschen, die sich nach der Einfachheit sehnen, in einer „komplexen Welt des Internets und der Globalisierung“ das Simple wiederfinden wollen. Weil sie es heute so viel schwerer haben als die Menschen damals.

In Heimatjournalen wie Servus wird dieses Konzept zelebriert. Es wird eine Idylle vorgespielt, die es nicht gibt und schlimmer noch: die es nie gab.

In jedem Heft (meine Mutter hat es abonniert) wird eine alte Technik vorgestellt. Grundsätzlich finde ich das interessant. Ich möchte wissen, wie man früher Leinen gemacht hat oder Orgeln oder wie man Holz gefällt und mit Schlitten in Tal transportiert hat.

Auf Bilderstrecken werden lachende Flößer gezeigt, die eine alte Tradition für einige Wochenenden im Sommer aufrechterhalten. Kein Wort davon, wie hart die Arbeit für die Flößer vor 100 Jahren war, die ihren Lebensunterhalt mit dieser Arbeit verdienen mussten. Kein Wort davon, wie viel schwerer sie es hatten, wie viel Sorge sie hatten, ob sie genug Holz verkaufen können. Ob sie ihre Familie ernähren können, ob sie die Saison ohne Krankheit und Unfall überstehen werden.

Nein, Servus zeigt uns nur eine Idylle von Menschen, die in unserer Zeit, in der es so viel mehr Menschen leichter haben als damals, hobbymäßig etwas nachspielen, das es in dieser Form nie gab. Und suggeriert, dass damals alles einfacher war, weil es noch keine elektronischen Medien gab. Als ob die irgendetwas schwerer für uns machen würden.

Ich mag Einfachheit – schlichte Formen und Designs, kleine Freuden, eine schöne Landschaft, solche Dinge. Ich mach auch die Einfachheit unserer Zeit, die mein Leben um so vieles leichter macht als jenes meiner Mutter und das meiner Großmutter. Auch wenn diese Einfachheit auf komplexerer Technologie basiert.

Ich mag nicht, wenn mir vorgegaukelt wird, wir hätten es jetzt nicht einfacher als irgendeine Generation vor uns. Weiterlesen

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Jahreswechsel

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Zu Silvester – satt und zufrieden vom letzten Fondue des Jahres und mit einem Glas Sekt in der Hand, vielleicht noch in Gedanken über das Glück, das beim Bleigießen vorhergesagt wurde, auf dem Sofa, im Warmen, gemütlich.

Beim Warten auf das Feuerwerk werden Vorsätze gemacht. Drehen die sich immer noch hauptsächlich ums Essen und Trinken? Nicht mehr so viel Fettes essen. Nur noch ein Bier am Wochenende. Höchstens ein Stückchen Schokolade am Abend. Fünf Kilo abnehmen. Wohlstandsvorsätze.

Ich mache schon lange keine Vorsätze mehr. Ich halte sie ohnehin nicht ein. Was ich aber gerne mache zu Silvester: das vergangene Jahr Revue passieren lassen. Dann komme ich darauf, dass es ein gutes Jahr war. Außer als meine kleine Tochter damals Leukämie hatte. Da wollte ich am liebsten gar nicht feiern, ich hatte nicht das Gefühl, etwas in dem Jahr feiern zu können. Da war nur Angst. Ich konnte das Gute nicht mehr sehen.

Glücklicherweise ist das aber schon lange vorbei. Jetzt jammere ich wieder über den Job und das Wetter und die Kleinigkeiten im Alltag und manchmal sogar darüber, dass alles schlechter wird. Deshalb möchte ich mir am Silvester in Erinnerung rufen, wie gut es mir geht. Leicht vergisst man das. Und wenn man es vergisst, wird man sehr leicht neidisch auf Menschen, die es viel schlechter haben. Weiterlesen

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Aural sculpture reloaded

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Aural Sculpture ist ein Album der Stranglers. Ein großes Ohr aus Stein ist am Cover. Der Name soll vermutlich auch die Möglichkeit andeuten, ein musikalisches Werk zur Skulptur, zum Kunstwerk zu machen.

Die Möglichkeiten, die Kunst bietet bei der Schaffung von Kunstwerken. Die Auswahl der Kunstwerke, die bekannt werden und über einen langen Zeitraum erhalten bleiben. Oft ist Genialität im Spiel, ein noch nie dagewesener Gedanke, ein In-Kontext-Bringen von Dingen, die ich niemals zusammen gesehen hätte.

Oft ist es nur Zufall und Glück. Oder strukturelle Mechanismen. Sonst wären mehr Kunstwerke von Frauen in Museen und weniger Frauen auf Bildern, denen gerade die Brüste aus den Kleidern gefallen sind.

Aber Kunst ist nicht nur die in den Kulturkanon aufgenommene. Sie kann auch in einem Graffiti auf einem ramponierten Eisenbahnwaggon zu finden sein, oder irgendwo in einer unbeachteten Ecke, in die eine LiebhaberIn etwas gestellt hat. Kunst kann sogar etwas sein, dass der Zufall zusammengewürfelt hat, wenn es einen Gedanken anregt.

Kunst ist für mich der Gedanke, der in mir entsteht, mitunter auch ohne dass ich es gleich merke, ein Denkprozess, der etwas in mir verändert. Die Sichtweise auf gewisse Dinge. Manchmal passiert das, nicht immer in Museen. Ich versuche, meinen Kindern beizubringen, Kunstwerke so anzusehen. Aber das lässt sich nicht erzwingen.

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Pensées: Ein Ausflug zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

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  1. Am letzten Tag in Nürnberg fahren wir zum Reichsparteitagsgelände.
  2. Ein bedrückender Steinklotz in einem Park. Im Sommer, so geben die Schilder und der Einführungsfilm an, ist hier ein Naherholungsgebiet. Man kann im Park laufen, auf dem Teich mit dem Boot fahren.
  3. Hier ist auch das Dokumentationszentrum mit Museum.
  4. Der Einführungsfilm legt sehr viel Wert darauf, die heutige Verwendung der Anlage zu betonen. Mir gefällt der Gedanke auch, dass ein historischer Ort, der Sinnbild für das Nazireich war, zur Erinnerungsstätte wurde, das Gelände aber gleichzeitig für normale Freizeitaktivitäten genutzt wird. Ein Reclaiming.
  5. Im Museum ist es dunkel. Das war auch im Museum des Widerstands in Besancon so. Als könnte die Geschichte des Nationalsozialismus nur im Dunklen erzählt werden. Weiterlesen
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Manschettenknöpfe

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Manschettenknöpfe sind das Unnötigste, das die Welt je hervorgebracht hat, dachte ich lange Zeit. Aber jetzt finde ich sie eigentlich schön. Geschmäcker verändern sich. Die Sichtweise auch. Hat mich das Spießertum, vor dem ich früher so viel Angst hatte, in meiner Manschettenknopfakzeptanz erreicht? Oder ist der Blick breiter geworden?

Früher hatte ich eine starke Meinung darüber, was modisch passend ist und was unangebracht, was spießig ist und was cool. „Wie läuft denn die herum“ kam mir schnell in den Sinn und mitunter über die Lippen. Eine Einschätzung der Lebensumstände und des Bildungsgrades war schnell bei der Hand.

Wenn jemand das bei mir machte, fand ich es ungeheuerlich – mein Aussehen war wohlkomponiert, die Aussagen der anderen dumpfe Vorurteile. Wohingegen meine Beurteilung eine seriöse Einschätzung der Realität war.

Ich weiß heute, dass das ein Blödsinn ist. Deshalb versuche ich, Schmuck, Outfits, Frisuren, die mir nicht gefallen, nicht in Vorurteilskästchen zu packen. Leider gelingt mir das nicht immer. Vorurteile sitzen tief, sind aber durchaus mit etwas Einsatz zu bekämpfen. Weiterlesen

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