Pensées: Ein Ausflug ins Deutsche Museum

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  1. Deutsches Museum. Bei dem Namen stelle ich mir ein Museum, das sich mit der Geschichte Deutschlands beschäftigt, vor. Nationalistisch angehaucht.
  2. Das trifft aber nicht zu. Das Deutsche Museum ist ein Technikmuseum in München. Der Name gefällt mir nicht.
  3. Trotzdem fahren wir hin. Als Zwischenstopp auf unserer Fahrt nach Kärnten. Das Museum befindet sich auf der Museumsinsel, es sieht ziemlich unmodern aus. Das Haus meine ich. Es wird gerade renoviert. Die Abteilung für Chemie ist geschlossen und einige andere Abteilungen auch.
  4. Ich bin ein bisschen enttäuscht, merke aber bald, dass das nicht wirklich etwas ausmacht.
  5. Wir gehen zuerst in die Schiffsabteilung. Schiffe sind dort ausgestellt und Schiffszubehör, wie: Flämisches Auge mit Kausche, Herkulestauwerk, Winkelspleiß, mechanischer Winkeltelegraph, Oktant, Tiefseelot, Wasserharnisch.
  6. Wörter wie aus dem Märchen. Sie erinnern mich an Moby Dick. Vor einigen Monaten wollte ich Lukas Moby Dick vorlesen. Ich habe es selbst noch nie gelesen und war eher enttäuscht. Viele nautische Begriffe verstand ich auch in der deutschen Übersetzung nicht. Vielleicht versuche ich einmal, Moby Dick im Original zu lesen.
  7. Modelle von Walfangbooten sind auch ausgestellt. Alte Boote mit Segeln und neuere mit Motoren. Auch Walfangbilder. Auf einem scheint der Wal Füße zu haben. Wie bei Moby Dick fahren Männer in Ruderbooten ganz nahe zu dem Tier und stechen ihre Harpunen hinein.
  8. Ein Wirbelknochen eines Wales ist ausgestellt. Der sieht auch aus wie ein nautisches Gerät.
  9. Über unseren Köpfen hängt eine Hosenboje. Mit der konnten Menschen in Seenot an Land gezogen werden. Über ein kranartiges Gestell.
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  11. Ein Plakat aus 1850 bewirbt „Bratschellfisch“ und „Cabliau“ für die „Charwoche“ in der Nordsee-Filiale am Viktualienmarkt. Ich wundere mich, in welchem Zustand die Fische in München ankamen.
  12. Wir gehen weiter zur Flugzeugabteilung. Viele Flugzeuge sind hier ausgestellt.. Auch die Rumpler Taube. Chinesische Drachen werden in Dioramas steigen gelassen. Alte Plakate von Fluglinien („Europa – Südamerika in 2 Tagen. 2x wöchentlicher Luftpostdienst“ von der Lufthansa) oder von Flugbewerben („Zum ersten Male Flugzeugrennen“ bei der Johannisthal Flugwoche, die teuren Plätze zu 3 Mark, die billigen zu 0.50 Mark).
  13. Nach dem Essen in der Kantine (Leberkäse, Weißwürste, ein Kinderparadies) gehen wir in die Abteilung für Physik. Spiegel sind dort aufgestellt, in denen sich die Kinder hundert Mal reflektieren. Knöpfe können gedreht werden und Hebel gezogen. Bei einigen Versuchsstationen stehen Warnhinweise, die sie erst so richtig interessant machen.
  14. Die Kinder rennen von einer Station zur anderen und kurbeln, drücken und ziehen nach Leibeskräften.
  15. Zwischen den Versuchsanordnungen sind alte Messgeräte und alte Bilder mit deren Anwendung ausgestellt. Influenzmaschinen, Leidener Flaschen, Reibungselektrisiermaschinen, eine Fallmaschine. Die Magdeburger Halbkugeln, eine fahrbare Dampflokomobile, elektronische Analogrechner aus den Sechzigerjahren.
  16. Eine Wunderkammer der Wissenschaft.
  17. Aber nicht nur tatsächlich verwirklichte technische Errungenschaften sind ausgestellt, sondern auch Vorstellungen der Zukunft. 1803 stellte sich jemand eine französische Invasion in England mit Heißluftballonen und einem Tunnel unter dem Ärmelkanal vor.
  18. Es wird spät und wir müssen noch nach Kärnten weiterfahren. Wir haben nicht einmal die Hälfte des Museums gesehen. Im Museumsshop kaufe ich noch einige Bücher, und Anna kauft sich eine Uhr, die wie eine Sanduhr funktioniert, aber mit einer Flüssigkeit gefüllt ist und nach oben abläuft.
  19. Ich hoffe, wir können auf unseren Fahrten nach Kärnten nach und nach die restlichen Abteilungen ansehen.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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6 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug ins Deutsche Museum

  1. dasmanuel schreibt:

    Genau richtig. Das ‚Deutsche Museum‘ erfährt man am besten in Etappen.

    So offenkundig es erscheinen mag: Die Vorführung des Faraday’schen Käfigs ist sehr beeindruckend (früher durften sogar Besucher hinein).

    http://www.deutsches-museum.de/ausstellungen/energie/starkstromtechnik/hochspannung/

  2. Friese schreibt:

    Wenn man ganz lieb „bitte bitte“ sagt, kann man einen der Steine der kleinen Ziegelbrennerei vom Wärter bekommen. Die haben sogar die Eule drauf.
    Manchmal erlebt man den Zuse-Rechner in Aktion. Ein Höllenlärm, aber da sieht man eine Maschine wirklich rechnen.

  3. Maria schreibt:

    Der Name des Museums war ursprünglich „Deutsches Museum der Meisterwerke der Naturwissenschaft und Technik“ und die Idee des vom Verein Deutscher Ingenieure mitbegründeten Museums war es zu zeigen, dass Technik dieselbe gesellschaftliche Relevanz besitzt wie z.B. Kunst. Umgangssprachlich wurde aus dem Namen dann irgendwann einfach Deutsches Museum.
    Der Fisch wurde übrigens in weniger als einem Tag von der Nordsee nach München gebracht, d.h. qualitativ sollte er ok gewesen sein. Für die „Nordsee“, d.h. die Schnellrestaurantkette, war München scheinbar schon immer eine absolute Vorzeigefiliale.

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