„Einer hat gesagt, wenn ein Denkmal kommt, nimmt er das Gewehr und erschießt mich gleich.“

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Zweiter Teil des Gesprächs mit Josef Schnabl. Der erste Teil ist hier zu lesen.

Beim Fatzi war so: Der Fatzi hat die Frau Lackner (vor dem Krieg) erschossen. Das war ein Unfall. Dann ist er zum Vater gekommen und hat gesagt, er wird über die Grenze gehen. Der Vater hat ihm gesagt, das bringt nichts davongehen, er soll sich stellen. Weil das passiert ist, er hat es ja nicht wollen.

De Aussiedlungen 1942: in ganz Kärnten, so wie ich es vernommen habe, mussten aus jeder Gemeinde vier Slowenische Familien ausgesiedelt werden. Der Bürgermeister hat das ausgesucht. In einigen Gemeinden ist niemand ausgesiedelt worden, weil der Bürgermeister das nicht angeordnet hat.

In Hohenthurn war damals der Soban Bürgermeister, das war von unserem Vater ein Cousin. Den Vater hat der nicht nehmen können. Der M. war Ortsgruppenleiter oder so etwas, mit dem waren sie gleich alt und mit dem Lackner war auch eine Verwandtschaft mütterlicherseits. Der Fatzi ist ausgesucht worden, weil er die Frau Lackner erschossen hat, dann der Zwitter und der Millonig.

Der Millonig ist dann nach Klagenfurt. Der hat einen besonderen Hengst gehabt. Der ist am nächsten Tag oder nach zwei Tagen wieder zurückgekommen (der Landesstallmeister intervenierte), weil niemand diesen Hengst versorgen konnte. Damals wurden in der Gemeinde Hohenthurn die Familien Fatzi und Zwitter ausgesiedelt.

Der Lackner, ich weiß nicht genau, was er war, aber der hat auch eine Funktion gehabt bei den Nazis. Den Vater hat keiner können, der war mit allen gut, und verwandt auch noch, da hat sich der Bürgermeister nicht getraut. So sind wir verschont geblieben.

Damals, wie die Gestapo gekommen ist (1944 als die Partisanen sich am Hof versteckten), wollte einer von ihnen bei uns am Hof schon den Stadel anzünden. Das Telefon war beim Schilch (Wirt des Ortes). Da waren die telefonieren. Da war der alte Schilch. Der von der Gestapo hat gesagt, er geht das Anwesen anzünden. Aber der Schilch hat gesagt, dass er das nicht machen soll. Er hat in dieser Nacht verhindert, dass alles angezündet wurde.

Wie da der Tote war und der Verletzte, hat der von der Gestapo dann die Wehrmacht angerufen, die ist dann gekommen. Die haben gedacht, die Partisanen sind noch im Heustadel. Aber die waren fort und die Spuren haben sie nicht gesehen, die waren so schnell verwischt, weil da hat es so geschneit. In der Nacht fast einen Meter Schnee. So sind die damals davongekommen.

Aber der Winko, der Partisan, von dem hat man auch nach dem Krieg nichts mehr gehört. Was mit dem passiert ist, weiß ich nicht. Der ist spurlos verschwunden. Damals wollten die Partisanen den Vicki mitnehmen. Die waren organisiert, weitere Leute zu den Partisanen zu holen. Auch nach Hermagor hin. Zu mobilisieren. Was ich weiß, war bei uns der letzte Partisanenkampf im Gailtal.

Die Gedenktafel für den letzten Partisanenkampf im Gailtal habe ich im letzten Moment abgeblasen. Einer hat gesagt, wenn ein Denkmal kommt, nimmt er das Gewehr und erschießt mich gleich. Der war aber auch ein Slowene, der Deutsch sein wollte. Im Kurier ist von der Einweihung der Tafel gestanden. Da hätten aus Slowenien und aus Triest zwei Busse kommen sollen zur Einweihung der Tafel. Und der Bart ist mit dem Radel von Haus zu Haus gelaufen mit der Zeitung. Der Bart war die Tagespost.

Wie der Ortstafelsturm war (1972), haben sie in Achomitz eine Ortstafel aufgestellt. Die ist aber keinen Tag gestanden. Im Gasthaus haben sie gesagt: Was brauchen wir das? Einer hat gesagt, er wird sie selbst abreißen gehen. Einer aus Feistritz hat sie abgerissen.

Wenn jetzt eine Ortstafel mehr gewesen wäre, wäre in Dreulach eine gekommen. Dagegen waren ja nur die eigenen, nicht die hergekommen sind. Die finden sich ab, dass hier zweisprachig ist. Aber die eigenen, allein schon wenn man im Gasthaus Slowenisch redet, sagen sie „Tu Deutsch reden, damit man was versteht.“

Aber ich habe schon öfter gesagt, wenn ich mich mit einem unterhalte, wenn ich nur mit dem die Wörter austausche, dann geht andere das nichts an.

Wie ich kandidiert habe (1976, für die slowenische Partei für den Gemeinderat), habe ich Drohbriefe bekommen, ich soll verschwinden: „Wir sind Kärntner, keine Slaven.“

Und:

„Deutsch ist unsere Sprache und unsere Zukunft. Sollte dir aber die andere Sprache besser imponieren und das Land so pack langsam den Rucksack und marschiere flott nach Lublyana (sic.) ehe es zu spät wird. Vergiss aber die Verwandten von drüben Maglern nicht mitzunehmen.

Das Komitee“

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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